Luxman L 410 Vollverstärker

Luxman ist ein japanischer Hersteller, der Zeit des Bestehens viele Höhen und Tiefen durch gemacht hat. Als die wohl „Goldene Zeit“ des Herstellers muss man die 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends bezeichnen. In dieser Ära entstanden wohl die Geräte die man sich noch heute gerne ansieht, und welche im Gebrauchtmarkt eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Das Portfolio der Japaner gliederte sich in die Einsteiger- und Mittelklasse, welche im technokratischen Schwarz daher kamen. Die Mittel- bis Hochpreisklasse bildeten demzufolge die schicken Edelteile im Champagnerkleid. Die Modellplatte reichte vom kleinen Vollverstärker bis zum großen Class A Kraftwerk, samt passender Vorstufe. Aber auch dazu passende Tuner und Kassettendeckes, wie auch CD Player gab es.

IMG_0460

Wir sehen uns den kleinen Vollverstärker Luxman L 410 an. Ein 75 Watt leistender Stereo Vollverstärker welcher mit einem Phono Eingang, zwei für Hochpegelgeräte sowie zwei Tape Schleifen ausgestattet ist. Dazu gesellen sich ein Vorverstärkerausgang und ein Maineingang. Anschließbar sind hier zwei Paare Lautsprecher. Auf der Frontplatte glänzt der kleine Luxman mit eine Fülle an Bedienelementen. Auswahlmöglichkeit der Richtung bei Kassetten Überspielungen, der dazugehörige Tape Monitor. Ein Vorwahl des Eingangspegel bei Betrieb des Plattenspielers, und eine der heute gerne verwendeten Audio-Direct entsprechenden Durchschleifmöglichkeit für die Phono Sektion. Das bedeutet dass der Besitzer des Luxman hier bei der Phonowiedergabe die Klangregelung außen vor lässt, und so das Signal von der RIAA Entzerrung direkt über die Lautstärke-Regelung zur Endstufe leitet. Die Klangregelung stellt sich üblicherweise als ein Regelwerk das bei bestimmten Einsatzfrequenzen den Pegel anhebt oder abschwächt. Nicht so der Luxman L 410. Er gestattet dem Anwender die Einsatzfrequenz selber zu wählen und hier eine fixe Anhebung/Absenkung zu schalten. Ungewöhnlich auch für die damalige Zeit. Hat aber den Vorteil dass man hier die nicht unwichtige Entscheidung treffen kann welche Einsatz Frequenz man zum Einsatz bringen möchte. Im Bass Bereich lassen sich die Frequenzen 20, 70, 200, 300 und 400 Herz verwalten, während die Werte im Mittel/Hochtonbereich 1, 3, 5, 7 und 10 Kilohertz lauten.  Neben der Null Stellung kann man die gesamte Baugruppe aus dem Signalweg nehmen. Ein Subsonic Filter steht ebenfalls zur Verfügung, wie ein High-Cut, welches die Bandbreite bei 7 Kilohertz nach oben hin begrenzt. Ein sehr nützliches Feature stellt aber der Bassboost dar, welcher sich in seiner Einsatz Frequenz und Betrag zur Klangregelung unterscheidet. Natürlich konnte ich nicht umhin und habe diesen ausgiebig ausprobiert. So konnte der Bassboost so manche Musiksendung im Fernsehen akustisch auf peppen. Wenn man keinen Surround Receiver sein eigen nennt, muss man bisweilen mit einem sehr ausgedünnten Klangbild auskommen. Schöner satter Bass aus dem zeitgemäßen TV Programm ist leider auch in Multichannel Zeiten für Zweikanal Hörer ein nicht gegönntes Luxusgut. Traurig dass hier ein Gerät aus 1983 eine genau passende Abhilfe verschaffen kann. Aber sei es drum.

IMG_0458

Der Luxman macht neben seiner damals adäquaten Technik auf heute noch eine gute Figur. Über den inneren Aufbau kann man trefflich diskutieren. Damals spielten kürzeste Signalwege im Gerät nur in der Top Klasse eine Rolle, die sich trotz alledem nicht mit heutiger Ökonomie vergleichen lässt. Mit anderen Worten, es wurden stattliche Kabelbäume verlegt um die unterschiedlichen Platinen zu verlegen. Über den Umstand dass man von der Rückseite zur Quellenwahl an die Frontplatte verkabelte um von dort auf die Hauptplatine zum Lautstärkeregler zu leiten um anschließend in die Endstufen Abteilung zu wechseln, sollte man sich nicht wundern. Man hat anno dazumal mehrheitlich so gebaut.   Die Fronplatte ist sehr selbstbewusst mit Bedienelementen bestückt. Die Qualität derer ist heute in der Form nicht mehr denkbar, zumindest nicht in dieser Preisklasse. Das macht wohl seinen Zauber aus, denn die Drehschalter-Elemente sind aus massivem Alu hergestellt. Die Drucktaster klacken zwar vernehmlich, rasten aber sehr präzise ohne besonderen Spiel in der Schalterführung. Das Gehäuse vermittelt schlicht Wertarbeit im positivsten Sinne. Die gehäusebleche sind ordentlich dick und verbiegen sich nicht wenn man eine Hand darauf abstützt und sind zudem bestens lackiert. Das vorliegende Modell erscheint makellos, wie frisch aus dem Karton. Ein top gepflegtes und gewartetes Modell, denn es roch auch nicht muffig als ich es nach der Akklimatisierung ein schaltete. Leider ein Umstand dem man öfters begegnet wenn man alte Legenden nach Hause bekommt und einer ersten Funktionsprobe unterzieht. Bei einem Kauf sollte man auch darauf achten dass die Beleuchtung der Bedienelemente funktioniert, denn ein Ersatz ist bisweilen schwierig zu bekommen. Eventuell hat die Ersatz-LED einen anderen Farbton als das Original. Für den passionierten Sammler und Liebhaber mitunter eine Pflicht.Die Rückseite ist übersichtlich und selbsterklärend. Die Buchsen sind als Printplattenmodelle ausgeführt, welche auf der Platine aufgelötet, und durch die Rückwand gesteckt, und dort verschraubt werden. Die hat Luxman wertig und auch zu damaliger zeit klassenunüblich hochwertig ausgeführt. Die Lautsprecher Drehanschlüsse sind in den typischen Farben schwarz und rot, sowie als Drehverschlüsse ausgeführt. Auch die Art ist in der Preisklasse nicht selbstverständlich. Damals konnte ein preisgleiches oder gar teureres Modell die Klappverschlüsse für Dünnlitzen verbaut haben. Eine Feder drückte hier mit einem wesentlich geringeren Druck die Lautsprecherkabel auf die Kontaktflächen, zumal auch nur 0,75 mm2 in die kleinen Öffnungen eingeführt werden können.

IMG_0461

Klanglich kann der Luxman mit seinen 2 mal 75 Watt an einem acht Ohm Lautsprecher auch heute noch überzeugen. Er spielt erfreulich druckvoll und tendiert mit seiner klanglichen Abstimmung eher ins satt Warme, als ins Analytische. Aber dafür war Luxman ja bekannt und beliebt. Es hängt maßgeblich vom Lautsprecher ab ob hier Kontrolle im Bass Bereich geboten wird. Ein all zu kapriziöser Lautsprecher, der eine eisenharte Hand seitens des Dämpfungsfaktors benötigt, ist leider nicht der optimale Spielpartner. Bei den Hörproben verlor der L 410 an meinen Pure Dynamics Lautsprechern etwas an Kontrolle bei höheren Lautstärken. Der Bass geriet etwas mulmig und verlor auch an Tiefgang. Die Bühnendarstellung und die Klangfarben gerieten aber erfreulicherweise gelungen. Hier war kein wesentlicher Unterschied zu heutigen Verstärkern. Kraftvoll und frisch war die Spielweise. Besonders minimalistische Jazz aufnahmen konnten hier punkten.  Eines musste ich aber dennoch überprüfen. Es war der sehr negativ belastete Ausdruck, der sogenannte muffige 80er Jahre Sound den man bisweilen zu hören bekommt. Nun, ich mag diese spezielle Betrachtungsweise nicht besonders, aber ich möchte der dann doch auf den Grund gehen. Auf der einen Seite erlebe ich einen frischen Sound im Mittenton Bereich, während auf der anderen Seite, der Bassbereich wohlig warm, aber nicht besonders kräftig erscheint. Ob das schon mal ein Indiz darstellt? Für solche Fälle habe ich eine geeignete CD um hier Klarheit zu schaffen. Dave Grusin mit seinem Album „An Evening With Dave Grusin“ bietet ein 75 Personen starkes Orchester Ensemble und eine Vielzahl an Gesangspartner wie John Secada und Patti Austin auf. Ein atemberaubendes „großes“ Werk das trotzdem nicht bombastisch überladen wirkt und mit Dynamik und Dramatik so manche Hi-Fi Anlagen an ihre Grenzen führt. Als Patti Austin von den beliebten „Davie Movies“ spricht, erscheint ihre Stimmkraft, ihr ausdrucksstarker Mezzo, in einer fantastischen Strahlkraft und Ausdrucksstärke. Auch die kehlige Stimme von John Secada wird über den Luxman mit der gebotenen Akkuratesse ins Wohnzimmer gestellt. Der oftmals zitierte 80er Jahre Sound ist mir also nicht begegnet.  Weder im Stimmbereich, noch bei der Wiedergabe akustischer und elektronischer Instrumente. Die Bühnendarstellung gerät vielleicht etwas eingeengter und nicht ganz so fein in der tiefe ausgestaffelt, wie mir der Soundtrack „Star Wars – Episode I“ vermittelte. Um mein Bild zu komplettieren, bemühte ich mich in meinem Freundeskreis um einen gleichaltrigen CD Player. Fündig wurde ich mit einem Sony CDP-M35, ein Modell im 35 Zentimeter Rastermaß, im sogenannten Midi Format. Hier brach das gesamte Klangbild etwas ein. Nun, es hängt maßgeblich mit dem Umstand zusammen, das der Mini Sony aus den einsteiger-Preislagen der 80er Jahre stammt.

IMG_0462 IMG_0463

Also wieder kein Beweis für den 80er Jahre Sound. Was ich auch unternahm, ich konnte diese leidige, und mich offen gestanden auch störende Begrifflichkeit, nicht wirklich klären. Ich fand aber heraus, dass auch ein Verstärker aus den 80er Jahren keineswegs zum alten Eisen gehören muss. Denn ein moderner Streaming Client, oder eine hochpreisige aktuelle CD Quelle vermögen dem Klangbild über den Luxman auch heute noch Glanz und Akkuratesse abzugewinnen. Dem Vintage Liebhaber muss aber bewusst sein dass ein entsprechender Verstärker einen gewissen Verschleiß unterliegen kann. Die Elkos können austrocknen und den optimalen Arbeitsbereich verlassen. Ein Umstand der bis zu einem Totalausfall führen kann, inklusiver der Verschmutzung und Beschädigung der angrenzenden Baugruppen, wenn ein derartiger Elko platzt. Die Versorgung der Ersatzteile kann ebenfalls nach zwanzig oder dreißig Jahren problematisch werden. Wenn Service Unterlagen nicht mehr zu beschaffen sind, so fallen im Reparaturfalle zusätzlich Kosten für die Ursachenfindung und Ermittlung der Einstellwerte an, welche manchmal sehr zeit intensiv ausgemessen werden müssen.
Databox:

 

Sinus Leistung:            2 x 75 Watt an 8 Ohm

Dämpfungsfaktor:      ca. 100

Klirrfaktor:                  0,015 bei Vollast

Kanaltrennung:           > 50 dB

Maße:                         453 x 135 x 425 mm

Gewicht.                     12 Kg

Herstellungsjahre:      1983 – 1985

Kaufpreis:                   1.098.-DM oder ca. 12.000.- ATS

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar