Music & Vinyl Fair Wien – September 2015 Teil 2

Unsere Eindrücke lassen sich nicht in wenigen Zeilen zusammen fassen. Nicht nur die 60er und die 70er Jahre haben es in sich, auch das folgende Jahrzehnt hat vieles zu bieten. Für uns sind die 80er Jahre dann doch emtional am bewegendsten. Aber lesen Sie selbst …

Accuphase ist wohl einer der bekanntesten Hersteller aus Japan. Das mag nicht unerheblich an der Unternehmensphilosophie liegen dass sich das Erscheinungsbild niemals dramatisch ändern durfte. Es sind die feinen optischen Retuschen welche den speziellen Reiz ausmachen. Auch wenn es ein kleines Gastspiel in Schwarz gab, so ist Champagner, eben jene namensgebende Farbe „Accuphase Champagner“, und die konsequente Beständigkeit im Design, das eigentliche Markenzeichen. An den klanglichen Leistungen mag man erst gar nicht zweifeln. Ein Umstand der sich auch anlässlich dieser Messe wieder deutlich bestätigte.
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Vorverstärker Accuphase C-200V

Gar drei feine Komponenten fanden den Weg in die Ausstellung. Der schwer wiegende und prall ausgestattete Vorverstärker Accuphase C-200V aus dem Privatbesitz Heinz Huber vermag durch eine edle Verarbeitung und einem dezenten Bi-Color Kleid zu begeistern. Während die Frontplatte in Champagner verarbeitet wurde, hatten die Accuphase Designer die untere Klappe in einem mittleren Braun eloxiert. Eine schicke Kombination, die nahezu perfekt zu den Holzseitenteilen passt. Neben zahlreichen Line-Eingängen vermag die C-200V auch auf höchstem Niveau mit den zarten Phono Signalen umzugehen. Sprich – eine feine Phono-Vorstufe ist mit an Bord und macht eine externe Lösung obsolet. Klanglich wusste der Phono Eingang in vollen Zügen zu überzeugen. Die Quelle war ein feiner Sony Plattenspieler mit der Bezeichnung PSX-600, welcher robust und fein ausbalanciert klang. Feinste Klangfarben und ordentlich Tiefgang. Neben moderne Soundtracks, wie „Fifty Shades Of Grey“, kamen die Pilzköpfe ordentlich zum Zuge. Selbstverständlich bei einer Messe welche die legendären Briten zum Thema hatte.

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Sony PSX 600

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Sony PSX 555 es

Als Endverstärker kam ein nun doch etwas älterer Accuphase Stereoendverstärker zum Einsatz. Ein P-300 machte den feinen Triangle Minimum ordentlich Dampf.

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Accuphase P-300 Baujahr 1973

Das Kraftpaket hat nun 42 Jahre gemeistert und steht bis auf kleinste Gebrauchsspuren nahezu perfekt unter Strom. Die überaus stabile Endstufe vermag auch heutige moderne Lautsprecher, selbst sehr kritische, angemessen zu versorgen. Im heimischen Hörstudio des Besitzers Heinz Huber darf die P-300 eine feine Totem Acustic Kin ebenso versorgen, wie eine leistungshungrigere große Standbox aus dem Hause Canton. Die P-300 zeigt sich dabei sehr variabel und ausreichend neutral um doch mit den sehr unterschiedlichen Lautsprechern perfekt umzugehen. Gewöhnungsbedürftig muten hingegen die sprichwörtlichen Schrauben zur Fixierung der Lautsprecherkabel an. Sie bieten leider nicht so viel Platz für dicke Kabel wie heutige Anschlüsse und müssen zudem mittels Schraubenzieher angezogen werden. Unbestritten vorteilhaft ist hingegen der unfassbar feste Anschluss der Lautsprecherkabel – denn über eine Schraube welche sich ordentlich festdrehen lässt – kann man nicht schlecht urteilen.

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Die Vorstufe C-200V ist übrigens das letzte Modell der 200er Baureihe, welche eben als C-200 ohne Buchstabenzusatz just zu der Zeit der P-300 entwickelt wurde und diese Baureihe eröffnete.

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Accuphase DP-70 CD-Player

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Accuphase DP-70 CD-Player und C-200V Vorverstärker

Das dritte Mitglied der kleinen Accuphase Famillie war der damals zweitgrößte CD-Player DP-70. Ende der 80er Jahre kostete dieser beinahe 20 Kilgramm schwere CD-Spieler deutlich über 90.000.- österreichische Schillinge. Der Besitzer Andreas K. ist seit einigen Jahrzehnten stolzer Besitzer dieses phantastisch klingenden Wiedergabegerätes. Die Sorge um einen Ersatzlaser stellte sich bis her nicht ein, da das Bauteil nahezu die selben Einlesezeiten aufweist wie frisch aus dem Karton. Eine Eigenschaft die heute nur mehr selten anzutreffen ist – ja beinahe schon einen seltenen Glücksfall darstellt wenn ein Player mehr als 10 Jahre seinen Besitzer mit einer klaglosen Wiedergabe beglückt.

Es gibt aber noch einen weiteren großen Hersteller aus Japan der Anerkennung verdient. Nicht nur wegen seinen älteren Geräten, sondern auch wegen dem doch sehr überraschenden Wiedereinstiegt in die schöne HiFi Welt. Es geht, wenn Sie es nicht schon ahnen, um Technics. Der japanische Riese in der Unterhaltungseletronik Branche wagte ein großes Comeback mit neuen modernen Komponenten und einem angemssenen Klang, wie auch technischen Anspruch. Aber uns geht es natürlich um die älteren Generationen.

Ein Leser unseres Magazines aus dem schönen steirischen Land bot seine feine Verstärker Kombination für die Ausstellung an. Es ist wahrlich beeindruckend wenn sich eine SU-C 3000 Vorstufe und eine mächtige SE-A 3000 Stereo Endstufe ein Stelldichein geben und den Lautsprechern ordentlich einheizten. Herzlichen Dank an Roland Lackner für die Bereitstellung seiner geschätzen Geräte.

 Technics Endstufe  SE-A 3000
 Technics Vorstufe  SU-C 3000

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Das Anschlussfeld zeichnet sich durch wohl durchdachte Abstände der Anschlussbuchsen aus. Selbst die leidig handlichen Stecker von WBT ließen sich sachgemäß zudrehen, und erlaubten so einen fehlerfreien Anschluss der Verbindungskabel. Nun, wir möchten an dieser Stelle nicht verheimlichen dass eine saubere Verkabelung auch auf einer Messe Pflicht ist. Natürlich sieht es dann an einem normalen Aufstellungsort in einem Rack doch noch besser aus. Die Vorstufe bietet neben einer umfangreichen Ausstattung auch eine sogenannte Batterie gepufferte Stromversorgung an. Der Hintergund ist die Trennung der Stromversorgung während der Wiedergabe vom normalen Strometz mittels leistungsfähiger Pufferbatterien. Das Gerät zeigt hierbei den aktuellen Ladezustand mittels einer VU Anzeige auf der Frontplatte an, und wechselt selbstständig bei Bedarf vom Akkubetrieb auf Ladebetrieb. Roland Lackner beließ es aber nicht bei der Standardlösung, sondern konzipierte eine spezielle leistungsstärkere Batterieversorgung. Gelungen, wie wir meinen – trotz stundenlangem Betrieb ließ der Ladezustand der Akkus nur unmerklich nach.

Die Technics Kombination klang selbst unter den schwierigen Bedingungen eines großen Konferenzsaales ausgesprochen ordentlich. Klanglich vermochte sich die feine japanische Kombination den Accuphase Geräten durchaus gefährlich anzunähern. Wenn auch  wir eine Handbreit Unterschied vernommen haben, so bewegten sich beide Hersteller deutlich über dem klanglichen Niveau mancher aktuellen Verstärker. Einem typischen Vintage-Sound müssen wir angesichts der Frische und Kraft im Klangbild über die brandaktuellen Ichos Schallwandler Lautsprechern eine klare Absage erteilen. Wir erlauben uns dieses Vorurteil ins Reich der Märchen zu verschieben. Damit sei es natürlich ausdrücklich erlaubt alte Generationen mit neuen Medien zu verbinden. Wir haben das natürlich mit einem durchaus preisgünstigen Bluetooth Dongle ausgiebig ausprobiert. So luden wir natürlich auch unsere Besucher ein, ein eventuell vorhandenes Smartphone in unsere Bluetooth System einzuloggen, und vorort die Kompatibilität auszuprobieren.

Bedauerlicher Weise klappte die Vorführung der Wiedergabe der Musik via Laptop nicht, da uns der Router einen herzhaften Strich durch die Rechnung machte. Wir geloben für die nächste Messe auf jeden Fall Besserung.

Ein besonderes Schmankerl haben wir uns für den Schluss aufgehoben. Ein weiterer Hersteller, diesmal aus nördlichen Gefilden bereitet seit vielen Jahrzehnten dem geneigten Musikliebhaber große Freude. Ähnlich wie Accuphase bietet Bang & Olufson einen gelungenen optischen Auftritt. Die Komponenten aus den 70er Jahren bieten eine sprichwörtliche Verarbeitung für die Ewigkeit. Massives Holz in Verbindung mit feinem Aluminium erlauben eine penible Pflege auch nach vielen Jahren. Beinahe makellos muten die beiden Exponate Beogram 4002 und Beomaster 2400 an. Während das Basisgerät Beomaster 2400 mit einer stabilen Leistung von 30 Watt je Kanal und vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten um Aufmerksamkeit heischt, verwöhnt der Plattenspieler Beogram 4002 mit einer tadellosen Funktion auch nach so vielen Jahren. Der direkt angetriebene Plattenspieler verfügt über einen Tangential Tonarm und einem feinen originalen Tonabnehmersystem.

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Beomaster 2400 Basisgerät mit Pultbedienung

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Vorläufer der heutigen Touchbedienung

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Direktgetriebene Schönheit Beogram 4002

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Dual 1009  – DER Dual schlechthin

Mit diesen beiden Schönheiten und dem Dual 1009 werden wir uns, sofern der Besitzer sein Einverständnis gibt, im Rahmen eines ausführlichen Test beschäftigen. Wir werden diese Komponenten genauestens aus klanglicher Sicht beschreiben und natürlich die Kompatibilität mit modernen Lautsprechern testen. 30 Watt sind nicht unbedingt viel, sollten aber an einem Lautsprecher mit ausreichendem Wirkungsgrad sehr gut aufspielen. Wir sind auf jeden Fall sehr neugierig.

Zu guter Letzt möchten wir uns bei den zahlreichen interessierten Besuchern bedanken.

Dabei wollen wir aber nicht auf unseren Sponsoren – das Versicherungsunternehmen UNIQA – vergessen.

In Zeiten manch restriktiven Sparbestrebungen freut es uns besonders diese Wertschätzung für unsere Veranstaltung zu gewinnen. HiFi ist ein schönes Hobby. Es bereitet viel Freude und Kurzweil, dabei ist es egal ob es sich um kleine feine moderne All in One Lösungen handelt, kapitale High-end Anlagen oder eben feinstes liebevoll gepflegtes Vintage HiFi aus längst vergangenen Tagen.

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