Sony MDS-JA 555 es

Es soll ja nicht der Eindruck enstehen wir Redakteure schreiben nur über HiFi. Nein, wir leben unsere Passion … und das kommt dabei raus.

Eine Überarbeitung eines feinen Minidisc Player aus dem Hause Sony – die Legende Sony MDS-JA 555 es.

Ich muss zugeben, er ist noch nicht fertig. Aber der Anfang ist getan. Ein Lackierer wurde beauftragt und mein Sony Mindisc Bolide bekam ein neues Kleid verpasst. Das nüchterne Schwarz wich der RAL Farbe 1021 „Rapsgelb“. Natürlich stellen Sie sich die Frage weshalb man solch einen Unfug anstellt. Nun, das wohl wichtigste – ich werde den Recorder nicht mehr verkaufen. Damit ist das Thema von Verschlimmbesserungen und Wertverlust vom Tisch. Aber eigentlich störte mich die unpässliche Serienlackierung des Gehäusebleches. Das unverbindliche Schwarz war schlicht sehr mühsam zu reinigen. Die Oberflächenstruktur machte es sich zur Lebensaufgabe jedem Küchenkrepp den Kragen umzudrehen. Das bedeutet, mit ein oder zwei Wischer rieb man das Papier nachhaltig in die Oberflächenstruktur ein, sodass man das Gerät nach der Reinigung nochmal reinigen musste. Ein ordentliches Microfasertuch konnte hier zwar länger widerstehen, lieferte aber auch keine makellosen und zufriedenstellende Reinigungsergebnisse ab.

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Mein zweites Steckenpferd ist dann wohl der unbändige Wunsch überall irgendwie Hand anzulegen und den Dingen einen unverwechselbaren Stempel aufzudrücken. Und so kam was kommen musste. Natürlich kann man trefflich fragen weshalb es den ausgerechnet Gelb sein musste. Nun, auch das ist so eine Sache. Schwarz kann jeder. Wäre es nicht gar einfach wenn man in der Lackiererei einfach nur Schwarz bestellt? Nein, bei meinem Plattenspieler nahm der Weg seinen Anfang. In einer gemeinsamen Entwicklung mit meiner Ehefrau entschieden wir uns für eben jene Rapsgelbe Farbe.

Mein Ziel ist erreicht. Mein Recorder lässt sich nun perfekt reinigen, und zeigt sich jedem Putzutensil gnädig. Ein Blatt Küchenrolle ist nach der Reinigung auch noch als solches zu erkennen und sieht nicht wie ein Häufchen Pappmasché aus. Die zweite Reinigung nach der Reinigung ist damit auch Geschichte.

Nun, Spass bei Seite. Abgesehen von meiner Leidenschaft Hand anzulegen, geht es um die hohe Verarbeitungsqualität und natürlich auch um die Leidenschaft „Sony ES“. Ein Phänomen welches durchaus noch Marktrelevanz hätte, gäbe es dieses Label noch. Nun, zumindest in der Ausprägung wie sie bis mitte/ende der 90er Jahre noch Bestand hatte. Eben jener Zeit als Sony diese Schiene aufgab. Ein Sony ES Fan zu sein, bedeutet auch immer ein bisschen Wehmut und Selbstgeißelung.

Während der damalige Markt fast ausschließlich Leichtgewichte mit Plastikfronten bereithielt, erzeugte Sony bereits ab mittleren Preisklassen ( selbst in der QS Range ) ausgesprochen wertig verarbeitete Player. Ein Blick in das Innere eines MDS-JA 555 es macht schnell den Anspruch deutlich mit dem sich Sony ES dem Kunden stellte und gleichzeitig Mitbewerber deklassierte.

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feinste Ringkerntransormatoren im Netzteil und mechanische Verstrebungen im Gehäuseinneren

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getrennte Baugruppen und eine massive Abdeckplatte des Laufwerks

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die getrennte Abteilung für die digitale Signalverarbeitung

Mit einem Gewicht von ca. 14,5 Kilogramm sollte man den Player tunlichst mit beiden Händen aus dem Karton heben. Das Gewicht stammt nicht nur von den beiden massiven Ringkerntransformatoren, sondern aus seiner gesamten Bauweise. Die Gehäusebleche, welche teilweise doppelschichtig aufgebaut sind, sind tatsächlich aus massivem Stahlblech gefertigt. Das Laufwerk wurde dämpfend in das Gehäuse eingebaut und wird on top von einer massiven Stahlplatte abgedeckt. Zudem ist der Gehäusedeckel auf der Innenseite mit einer bleischwer wirkenden Matte beklebt. Sehr wirkungsvoll gegen jegliche Gehäuseresonanzen.

Natürlich muss man sich als Minidisc Fan die Frage gefallen lassen, weshalb man ein veraltetes Medium benutzt, welches im Vergleich zur IT gestützten Datenverwaltung keinerlei Komfort aufweist. Nun, rational lässt sich das wahrlich nicht argumentieren. Es bleibt natürlich eine gesunde Portion Nostalgie und der Spieltrieb über den man nur zu gerne mit einem Aufnahmemedium verbindet, welches man noch von Hand regeln kann und man nach getaner „Arbeit“ mit schönen LED Aussteuerungsanzeigen belohnt wird.

Allerdings hat das Datenformat ATRAC der Minidisc auch eine gewisse Geschichte und ist in seiner letzen Version selbst einem hochwertigen MP3 nicht gänzlich unterlegen. Am Ende des Berichtes finden Sie eine Aufstellung aller ATRAC Generationen und dessen jeweiligen Leistungskorridor.

ATRAC basiert auf psychoakustischen Anforderungen und komprimiert Audiodateien auf einen Bruchteil des ursprünglichen Datenvolumens. Der ATRAC-Codec wurde von Sony mit der Einführung der MiniDisc im Jahre 1992 eingeführt und permanent weiterentwickelt. Der Vorteil des Codecs gegenüber anderen Formaten besteht in der Möglichkeit der unterbrechungsfreien Wiedergabe und im geringen Decodierungsaufwand der komprimierten Daten. Ein  Nachteil von ATRAC ist, dass man kaum Datenspielraum in diesem Format findet. Konvertiert man von einer bereits verlustbehaftet Quelle wie MP3 in ATRAC, leidet die Qualität nochmal. Eine Besonderheit an ATRAC ist, dass dem Codec nicht explizit eine Bit-Tiefe zugeteilt wird, wodurch einige Minidisc Abspiel- und Aufnahmegeräte die Wiedergabe und Aufnahme in echter 20- oder 24-Bit Qualität erlauben. Sofern eine analoge oder digitale Aufnahme einer Wiedergabequelle über der CD-Norm mit 16-Bit gemacht wurde. Im Ansatz ist der ATRAC Codec durchaus eine Technologie die man ernst nehmen musste. Das die Minidisc keinen nachhaltigen Erfolg erzielte, lag allerdings nicht nur an der isolierten Technik selbst, sondern maßgeblich am Marktverhalten. Sony war zwar der Systemerfinder, allerdings nicht die einzige marktbestimmende Größe in dem Segment. Vermutlich lag es an hohen Lizenzkosten, und als MP3 sich zu einem späteren Zeitpunkt etablierte, an der umständlichen Konvertierung des ATRAC Codecs in das MP3 Format.

Letztendlich kündigte Sony im Jahr 2007 an, alle Walkmanprodukte im Jahr 2008 auf das Format WMA umzustellen. Das war dann auch das endgültige Aus aller weiteren Entwicklungen am ATRAC Codec. Dem Liebhaber dieses Mediums bleibt mit dieser Entscheidung leider nur mehr der Gebrauchtmarkt und das Gefühl der Nostalie über. So halte ich das mit meiner Leidenschaft für dieses tolle Medium und den feinen Geräten aus dem Hause Sony.

 

ATRAC-Version (Erscheinungsjahr) Bitrate
ATRAC-1 (nur MiniDisc) (1992) 292 kbit/s
ATRAC-2 (MiniDisc + SDDS) (1994) 292 kbit/s
ATRAC-3 (nur MiniDisc) (1995) 292 kbit/s
ATRAC-3.5 (nur MiniDisc) (1996) 292 kbit/s
ATRAC-4 (nur MiniDisc) (1996) 292 kbit/s
ATRAC-4.5 (nur MD-Decks) (1996) 292 kbit/s
ATRAC3 (mit MDLP) (2000) 132/105/66 kbit/s
ATRAC DSP Type-R (nur MiniDisc) (1998) 292 kbit/s
ATRAC DSP Type-S (nur MiniDisc) (2002) 292 kbit/s
ATRAC3plus (2003) 48/64/96/128/160/192/256/320/352 kbit/s
Atrac Advanced Lossless (2006)
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