Triangle Minimum

 

Die Triangle Minimum ist ein feiner Lautsprecher aus den 80er Jahren. Als kompakte zwei Wege Konstruktion sprach sie damals den Minimalisten, aber auch den erfahrenen audiophilen High-ender an. Wie sich der kleine Filius heute klanglich schlagen mag ?

 

Die Minimum aus dem französchischem Hause Triangle ist ein kompakter Lautsprecher mit respektablen Allroundfähigkeiten. Durch die Bauart ist der Lautsprecher auf stabile Stander angewiesen. Auch wenn sich eine Platzierung auf einem Sideboard anbietet, erweist sich eine derartige Aufstellung im Allgemeinen eher nachteilig auf die klangliche Performance. Generell gilt eine freie Aufstellung auf einem möglichst soliden Lautsprecherständer als Mindestmaß für eine korrekte Einbindung des Lautsprechers in die Raumumgebung. Die Minimum zeigt sich auf Grund der frontseitigen Bassreflexöffnung zudem für eine wandnahe Aufstellung geeignet. Ein kompakter Lautsprecher ist meist wegen seinem kleinerem Gehäusevolumen und den kleinen verbauten Chassis nicht so pegelfest wie größere Modelle.

Allerdings hat diese Bauform auch klare Vorteile. Durch das fehlende Volumen weist ein kompakter Lautsprecher selten einen tieferen Frequenzgang als bis zu 50 Herz hinab auf. Was hier auf den ersten Blick nach einem fehlenden Kellergewölbe aussieht, ist prinzipiell kein Nachteil. Denn tiefe Frequenzen regen meist auch störende Raumresonanzen an. Resonanzen die den Bassbereich aufdicken und leider auch unpräzise wirken lassen. Der nächste Effekt, welcher gerne übersehen wird, ist der Umstand dass nur bei sehr wenigen Musikstücken die aller tiefsten Frequenzen auch tatsächlich vorhanden sind. Die Jagd nach den ultimativen Frequenzgangtiefen ist in vielen Fällen also akademisch, zumindest nicht so relevant wie man meinen mag.

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Die zierliche Minimum im Größenvergleich

Die Stärke einer Kompaktbox liegt in der sprichwörtlichen „Einfachheit“ und der geringen Größe. Eine gelungene Raumausleuchtung und die daraus resultierend empfundene räumliche Wiedergabe, hängt zu einem großen Teil von der Abstrahlcharakteristik ab. Hier punktet ein Kompaktlautsprecher einfach mit seinen kleinen Abmessungen. Eine kleine schmale Front ermöglicht den Treibern auf der Frontplatte des Lautspreches eine bessere Rundumstrahlung der Schallwellen. Somit wird der Raum und dessen Reflektionsverhalten effektiver eingebunden. Der weitere nicht unwesentliche Vorteil ist der fehlende letzte Tiefgang im Frequenzband. Denn fehlende angeregte Raumresonanzen müssen nicht mühsam bekämpft werden, und ein musikalisches Erlebnis besteht nicht nur aus tiefen Frequenzen.

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Ein Markenzeichen in Form eines Dreiecks – Triangle

In der Triangle Minimum ist ein 13er Tiefmitteltöner verbaut. Ein Chassis der Franzosen ausgestattet mit einer mittelharten Textilsicke und einer federleichten Papiermembran agiert  wieselflink und vermag auch den zackigsten Ein- und Ausschwingvorgaben des Versträkers zu folgen. Der Frequenzgang wird nach unten hin auf beachtliche Weise mit einem Bassreflexrohr auf der Front erweitert. Das Hochtonchassis ist eine Kalotte welche sich typischerweise oberhalb des Mitteltonbereiches in das Klanggeschehen einklinkt. Eine zwei Wege Konstruktion soll annähernd „Fullrange“ spielen. Das bedeutet ein Wiedergabespektrum von einem physikalisch sinnvollen Einsatz bei ca. 50 Herz bis zu den obligatorischen 20 Kiloherz. Allerdings ist bei einem derartigen Ziel die Entwicklungsabteilung für entsprechende Chassis gefragt und massiv gefordert. Die sogenannten Breitbandchassis, also Treiber welche vom Bass bis zu den Höhen alles im Alleingang meistern, zeigen auf wie schwierig dieses „Fullrange“ Ziel zu erreichen ist. Sinngemäß gilt dies auch für eine Aufteilung des Klangspektrums auf zwei Wege. Denn die Aufgaben die die entsprechenden Wege übernehmen müssen, sind noch immer komplex und widersprüchlich. Für tiefe Töne benötigt man ein eher schweres Chassis mit angepasster Eigendämpfung und dem entsprechenden Gehäusevolumen im Rücken. Damit wird es aber erheblich schwerer gute resonanzfreie und unkomprimierte Mitten ( bis obere Mitten ) wiederzugeben. Gleiches gilt für den Hochtonpart. Man kann eine Kalotte nicht beliebig vergrößern um einen leistungsstarken Anschluss an ein Tieftonchassis zu erreichen, zumindest nicht wenn man eine gute Hochtonwiedergabe erzielen möchte. Hier sind Kompromisse gefragt. Und genau das ist eine besondere Stärke der Minimum.

Klanglich erscheint die ehrwürdige Box noch immer sehr agil und beweglich. Wieviel von seinen ursprünglichen Tugenden und Fähigkeiten noch über ist, mag angesichts eines fehlenden neuen Päarchen zum Vergleich akademisch anmuten. Gefallen tut es jedenfalls sehr, wie der etwas unfaire Vergleich mit einem aktuellen hochauflösenden drei Wege Lautsprecher zeigt. Die Triangle Minimum macht seiner Gattung jedenfalls alle Ehre, auch nach deutlich mehr als 20 Jahren. Das Typenschild auf der Rückseite, es beherbergt auch das aus damaliger Sicht hochaudiophile Anschlussfeld, weist einen unkomplizierten und für Verstärker sehr bekömmlichen Lautsprecher aus. Die Nennimpedanz wird mit acht Ohm angegeben, wobei die Belastbarkeit bei ca. 40 Watt liegt. Das mag wenig anmuten, gewinnt aber bei einem Wirkungsgrad von 91 dB eine ganz andere Bedeutung. Ein Umstand dem auch der Klang eindrucksvoll Rechnung trägt.

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Das Anschlussfeld mit stabilen Schraubklemmen

Wie schon angedeutet habe ich einen Vergleich mit einem modernen Lautsprecher angestellt. Die augenscheinlichsten Unterschiede neben der Breitbandigkeit, die Vergleichslautsprecher reichen bis knapp unter 30 Herz hinunter – die Minimum natürlich nicht, ist die Verträglichkeit und Harmonie zu welcher der kleine Kompaktlautsprecher fähig ist. Die Analytik die ein Lautsprecher aufweisen sollte, ist zweifelsohne vorhanden, aber sie will erarbeitet und auch ein bisschen ausgegraben werden. Das Klangbild besticht durch eine Komplettheit ohne tatsächlich vollständig zu sein. Der Tiefbass fehlt naturgemäß und wird duch einen schönen klar strukturierten Oberbass maskiert. Der Maskenbildner war dabei mit hoher Finesse und viel Talent zugange. Zu keiner Zeit kam Bedarf nach einem Tieftongeschiebe auf. Soundtracks und elektronische Musik spielten auf den Punkt und vermittelten ein ehrliches stabiles Fundament. Ein ähnliches Bild zeigten auch die Stimmlagen. Sei es Damen welche sich unterhalb des Aufbrechen der Stimmkraft bei hohen gesungenen Lautstärken bewegen, als auch sonore Tenöre. Der Klangkörper vermittelt eine glaubhafte Bühnendarstellung und ausreichend Raum um die Akteure, ohne jemals nervig zu werden. Erfreulicherweise verzichtet die Minimum auf ein episch breites Bühnenbild durch ein übertriebens Aufblasen der Gesangsstimme zu einem „singenden Scheunentor“.  Es ist die allgemeine hohe Langzeitkompatibilität und Spielfreude die die wackere Französin auszeichnet.

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Selbst bei ca. 1,5 Meter von der Rückwand entfernt spielt die kleine Französin souverän

Augenmerk sollte man aber trotz der Unkompliziertheit des Lautsprechers auf den Ständer, respektive auf die Aufstellung legen. Gewöhnungsbedürftig für jeden Musikliebhaber der mit großen Standlautsprechern hört, oder die Lautsprecher lieber etwas höher positioniert, ist die Platzierung auf den originalen Lautsprecherständern. Sie vermitteln die Optik eines niedlichen Bodensitzers, während das klangliche Geschehen dann doch Rechtens vermittelt wird – nämlich aus der gewohnten und als Richtig empfundenen Ohrhöhe.

Das Erscheinungsbild präsentierte sich dem Alter entsprechend in einem guten Zustand. Das Gehäuse ist zwar foliert, hat aber mit dem gemeinen billigen Plastikfolienbezug nichts zu tun. Die Beschichtung wirkt auch nach vielen Jahren des Gebrauches beim Vorbesitzer bis auf Ständerabdrücke ( kleine Spikes nach oben zeigend ) weitgehend unversehrt. Die Frontbespannung wäre dann wohl das einzige Thema dem man sich mit größerer Aufmerksamkeit widmen sollte. Durch die UV Bestrahlung, welche in jedem Aufstellungsort, außer in Dunkelkammern, allgegenwärtig ist, leidet der Schaumstoff welcher in den 80er Jahren eingesetzt wurde. Hier hilft nur eine Radikalkur indem man sich nach einem Ersatz umsieht. Diverse Elektronikfachhändler können hier weiter helfen. Allerdings ist dann die Originalität dahin. Das muss leider gesagt werden.

Das rückseitige Anschlussfeld weist neben den Kabelklemmen auch vier Schrauben auf, mittels derer die kleine Platte am Gehäuse befestigt wurde. Die Schrauben weisen bei diesem Testexemplar eine leichten Flugrostbefall auf. Dieser ist natürlich leicht zu entfernen, eventuell sucht man nach originalähnlichen Schrauben.

Beim Kauf sollte man auf jedenfall die Funktion kurz überprüfen. Auch Gewebesicken können verhärten und nach einer längeren Dachbodenpause beim Anspielen beschädigt werden. Sollte die Technik funktionsbereit sein, so steht von ein bisschen Kosmetik abgesehen, einer Reaktivierung im heimischen Wohnzimmer nichts im Wege. Ansprüche an einen heutigen Verstärker stellt die Box keine, denn der Wirkungsgrad ist angenehm hoch und die Nennimpedanz liegt bei erfreulichen acht Ohm. Der Verstärker muss dabei kein Leistungsriese sein, darf aber gerne aus der oberen Liga entstammen. Vielleicht ein feiner 20 bis 30 Watt leistender Röhrenverstärker, oder etwa ein puristischer Class A Bolide. Dem Geschmack darf hier gerne unbekümmert gefolgt werden.

Die Redaktion wünscht dem Besitzer Andreas K. viel Spass mit dem Kleinod und viele musikalische Genussstunden.

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