Pioneer M-25 Stereo Leistungsverstärker

Während die Pioneer M-22, ein kleines 30 Watt Class A Kraftwerk, noch relativ oft am Gebrauchtmarkt zu bekommen ist, sieht es bei der M-25, das Class A/B Pendant zur M-22, schon etwas anders aus. Seltenheit hat einen Beinamen – Pioneer M-25

Pioneer war in den späten 70er bis in die 80er Jahre ein Hersteller welcher es verstand sich berechtigt neben den ganz großen Namen zu behaupten. Die Blue Spec Serie war die Speerspitze der Japaner um den highendigen Klang dieser vergangenen Jahre. Die 20er Serie richtete sich an den Musikliebhaber die sich die Top Edelserie von Pioneer nicht leisten konnten, oder wollten. Neben einer puristischen Vorstufe, einer Umschalteinheit, einem Tuner, aber auch einer aufwändigen Frequenzweiche, bot Pioneer zwei kraftvolle Stereo Endstufen an. Während die M-22 eine feine zwei mal 30 Watt an 8 Ohm leistende Class A Endstufe darstellte, stellte die M-25 wesentlich mehr Leistung zur Verfügung. Der Lautsprecher durfte sich an feudalen und erzstabilen zwei mal 120 Watt laben.

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Ein feines Setup: Pioneer C-21, eine dazu passende Umschalteinheit und der Kraftlackel M-25

Die Entwickler von Pioneer schrieben sich höchstwertigste Verzerrungsarmut ins Pflichtenheft. Nach Ansicht der Pioneer Mannen muss ein entsprechend positioniertes Hi-Fi Gerät nicht nur im Audio Bereich, also 20 Hz bis 20 KHz, sauber spielen, sondern weit darüber hinaus. So mag es nicht verwundern dass in den technischen Daten eine Bandbreite von 5 Hz bis 100 Khz bei 0,05% Verzerrungen angegeben wird. Auch aus heutiger Sicht und nach dem derzeit gültigen Stand der Technik, sind derartige Bandbreiten nicht alltäglich. Das lässt den Schluss zu dass sich die Audiotechnik nicht wesentlich weiter entwickelt hat. Einerseits ist diese Annahme berechtigt, auf der anderen Seite hat sich am Bauteilemarkt doch erheblich viel getan. Die Toleranzen sind heute selbst im Consumerbereich auf sehr hohem Niveau. Aber auch die Bauteile selber sind heute von einer deutlich besseren Qualität. Heute wie damals entscheidet das Netzteil über die Stabilität eines Verstärkers. Der Netztransformator muss in der Lage sein, die nachgeschalteten Siebkapazitäten entsprechend flink aufzuladen, ohne dabei in die Sättigung zu geraten. Selbst größte Kondensatoren entladen sich im Betrieb. So kommt es eher auf das gelungene Zusammenspiel des Netzteiles an, als auf schiere Masse. Die M-25 Endstufe verfügt über vier mal 22.000 Mikro Farad Siebung werden von einem massiven Umspannwerk angemessen versorgt.

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Die M-25 ist vollkommen kanalgetrennt aufgebaut. Sei es der doppelt vorhandene Netztrafo für jede Kanalseite, oder die von außen sichtbaren Kondensatorenpaare. Die Cola Dosen formatigen Kapazitäten machen richtig Eindruck. Die Japaner wussten schon sehr genau wie man eine Endstufe mit deutlich sichtbaren „Kraftfaktor“ baut. Zur jeweiligen Seite sind die Endstufenbänke mit den massiven Kühlkörpern zu sehen. Die aufgebauten Baugruppen ruhen auf einer massiven Grundplatte, dessen Boden sich zu Servicezwecken abschrauben lässt. Nach Entfernung der Bodenplatte zeigt sich dem kundigen Fachmann die gesamte Struktur des Verstärkers. Ein wichtiges Merkmal für einen leistungskräftigen End Verstärker stellen die massiven Verbindungsschienen dar, mittels derer die Masse geschaltet wird, sowie die Endtransistoren mit Spannung versorgt werden. Auch wenn die M-25 eine klassische Stereo Endstufe mit nicht außergewöhnlichen zwei mal 120 Watt Leistung ist, so wird sie im Betrieb sehr warm. Hier verweist das Datenblatt auf einen sehr hohen Anteil an verzerrungsarmer Class A Leistungsabgabe. Der Ruhestrom ist hier auf eine Leistungsausbeute von zwei mal 30 Watt kalibriert, darüber hinaus schaltet der Endverstärker in den sogenannten Class B Modus um. Soviel Verlustwärme muss natürlich über massive Kühlkörper an die Umgebung abgeführt werden. Normalerweise werden Kühlflächen, von wenigen Extremverstärkern mal abgesehen, so dimensioniert dass die Wärmeleistung der Kühlflächen bei maximal 25 bis etwa 30 Grad über der Umgebungstemperatur liegt. Klingt nicht sehr beeindruckend, aber wenn man von einer Raumtemperatur von etwa 22° ausgeht, brüten die Kühlkörper dann mit bis zu 50° Oberflächentemperatur vor sich hin. Selbstverständlich haben wir das ausprobiert. Nach ein paar Stunden freudigen Musikgenusses trieb uns die Neugier die Handflächen auf die Kühlkörper legen. Nun – es war unangenehm heiß, und die Endstufe sollte tunlichst frei auf dem Boden stehen, oder zumindest mehr als 40 Zentimeter Freiraum oberhalb der Oberfläche zugestanden bekommen.

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Das Anschlussfeld mit sehr soliden vollisolierten Lautsprecherklemmen, sowie den Cinch Eingängen und der zusätzlichen Erdungklemme

Einen weiteren optischen Leckerbissen stellt das Anschlussfeld dar. Man mag mich für bequem halten, aber ich mag den Zugriff zu allen Anschlüssen auf der Vorderseite besonders gerne. Endlich mal kein ungelenkes hinter das Regal greifen, oder gar die schweren Komponenten kunstvoll vor dem Einbau verkabeln, um sie anschließend mit den Kabeln ins Rack „einzufädeln“.

Die Endstufe gibt keinerlei Geheimnisse auf. Der musikalische Datentransfer wird über herkömmliche RCA, sprich Cinchbuchsen, hergestellt. Eine symmetrische Anschlussvariante fehlt. Ein etwaiger Vorpegelregler und ähnliche Instrumente sind ebenfalls nicht vorhanden. Zur Ansteuerung der Endstufe reichen 1 Volt bei 50 Kiloohm, und kann demzufolge mit nahezu jeder Vorstufe betrieben werden. In manchen Fällen ist es klanglich von Vorteil die Endstufe über die Ground-Buchse zu erden, auch wenn dies die Schutzklasse nicht vorschreibt. Die Lautsprecher finden über vollisolierte Lautsprecherbuchsen Anschluss. Pioneer setzte hier auf eine sehr solide Bauweise. Hier lassen sich blanke Kabelenden, wie auch Gabelschuhe und Bananenstecker sicher anleinen. Lediglich die Bohrlöcher im Gewinde für die losen Kabelenden sind in ihrer Ausrichtung unpraktisch. Die Einsteckrichtung zeigt direkt auf die umliegenden Buchsen, aber leider nicht nach schräg vorne, sodass auch „große“ Hände ohne verkrampfte Finger Zugriff finden.

Da wir selbstverständlich ordentliche Gabelschuhe für den Anschluss der Lautsprecherkabel verwenden, war die Anschlussprozedur schnell erledigt.

Die Verbindung zum Stromnetz musste über einen Vorschalttrafo bewerkstelligt werden. Die M-25 Endstufe ist ein sogenanntes 110 Volt Gerät für den amerikanischen Markt. Sofern der Spannungswandler ausreichend dimensioniert ist, gibt es hier keine klanglichen Einbußen zu befürchten. Zwingend erforderlich ist jedoch die sorgfältige Anpassung der Anschlüsse des Trafos. Da es sich um ein in beide Richtungen variables Gerät handelt, muss man auf der Strom-Eingangsseite ebenfalls den richtigen Spannungswert einstellen – in unserem Fall natürlich 230 Volt. Auf der Strom abgebenden Seite, unser Gerät hat eine Buchse für einen US Stecker, sowie eine Euro Stecker Buchse, natürlich den entsprechenden Wert für das anzuschließende Gerät. Da der M-25 an ein 110 Volt Netz angeschlossen werden muss, haben wir hier den niedrigsten Wert von 115 Volt mittels Schraubenzieher angewählt. Nach der kontrolliert (!!) korrekten Verkabelung der Stromversorgung wurde der Trafo an das Stromnetz angeschlossen, und signalisierte über eine Leuchtdiode die Betriebsbereitschaft. Somit stand nun dem Musikgenuss nichts mehr im Wege.

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Der korrekt eingestellte Spannungswandler zur Anpassung der Stromversorgung an das europäische 230 V Netz

Leistungsmäßig kann man der bärenstarken M-25 einiges zumuten. Meine Pure Dynamics Keramix Lautsprecher weisen zwar einen brauchbaren Wirkungsgrad auf, zeigen sich aber etwas divenhaft, und reagieren empfindlich auf schwache oder nicht laststabil spielende Verstärker. Die ersten Takte der Musik ließen nichts vermissen. Die M-25 leinte meine Lautsprecher kraftvoll und beherrschend an. Zu keinem Zeitpunkt kam der Verdacht auf dass hier zu wenig Stabilität oder abgegebene Leistung im Spiel war. Auch tonal ließen sich keine Schwächen aufdecken. Wie die eingesetzte Pioneer Vorstufe C-21 aus der gleichen Baureihe, spielte sich die M-25 Endstufe spritzig und mit viel Elan und Verve sofort in die Herzen der Tester. Der ER-4 Hochtöner und der Thiel-Accuton Keramik Mitteltöner meiner Lautsprecher zeigten aber die besondere Kraft der Endstufe im Mittel-Hochton Bereich auf. Ohne sich auf die überpräsente Seite zu schlagen, spielte sich die M-25 an das obere Ende des Erlaubten. Die C-21 Vorstufe von Pioneer spielte sich nicht in den Vordergrund, gab aber unvermittelt zu erkennen, dass beide Protagonisten die gleichen Vorlieben hegen. Natürlich hatte die M-25 Stereo Endstufe auch entsprechend „Schlagkraft“ im Bass, wobei hier das perfekte Mittelmaß besser getroffen wurde. Ein kurzer und zugegebenermaßen unfairer Vergleich mit dem anwesenden Redaktionsarbeitsgerät Accustic Arts Power 1 Vollverstärker, er verfügt über einen Vorstufenausgang, rückte das Bild etwas zurecht. Er nahm die Endstufe etwas kontrollierter an die Leine und zauberte etwas mehr Wärme und Tiefenstaffelung auf die Klangbühne. Alles in allem eine respektable Vorstellung. Eine Vorstellung die einem mehr als 30 Jahre alten Gerät ein wahrlich gutes Zeugnis ausstellt.

Die M-25 Endstufe ist jedem angeraten der über ausreichend Geduld bei der Suche mitbringt, und auch beim Lautsprecher auf ein feines edles Vintage System setzt. Uns fallen natürlich ausreichend Lautsprecher-Kandidaten ein, die die zugriffsicheren zwei mal 120 (Watt) Hände zu schätzen wüssten. Ob es für eine Ur-Kappa reicht, müssen wir offen lassen. Die kurzschlussähnlichen 0,7 Ohm im leistungszehrenden Bassbereich in der Extended Betriebsart der Ur-Kappa sind nochmal eine andere Hausnummer. Aber eine lebhafte und hoch potente Kappa 90 Renaissance wäre ein kongenialer Spielpartner. Aber auch eine Carver Silver Platinum sollte mit der M-25 gut harmonieren.

Wie schon eingangs erwähnt ist die M-25 sehr selten in einem erstklassigen Zustand zu finden. Der Besitzer dieser feinen Klangmaschine wurde auf der anderen Seite des großen Teiches fündig. Neben dem nicht ganz risikolosen Transport auf dem Schiff, gesellen sich Zollformalitäten zu den üblichen Risiken hinzu. Nichts desto Trotz kann man sich an ein derartigen Unternehmen heran wagen. Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete, der intensive Kontakt mit ausführlichen Fragen und Bilddokumentation über das Handelsobjekt zum Verkäufer bereiten den Weg zur begehrten Pretiose.

Der damalige Neupreis lässt sich leider nicht mehr genau in Erfahrung bringen. Im Internet konnte ich den ursprünglichen Kaufpreis in der japanischen Währung finden, sodass ich einen ungefähren Bezug herstellen konnten. Die Japaner führten die M-25 mit ca. 200.000.- Japanische Yen in den Preislisten, was umgerechnet etwa 3.750.- DM ausmachte. Die heutigen Verkaufspreise am Gebrauchtmarkt beinhalten natürlich auch den Seltenheitswert dieser Spitzenkomponente, und spiegeln gerne auch mal feudal einen möglicherweise erstklassigen Zustand wieder. Aktuell finden sich ein paar M-22 Verstärker am Gebrauchtmarkt, dessen Preise sich um 1.000.- bis 1.400.- Euro bewegen. Für den Liebhaber einer gepflegten Komponente, eventuell mit einem jungen Servicebeleg, durchaus OK. Da die Pioneer M-25 tatsächlich sehr selten zu bekommen ist, scheint hier preislich einmal mehr alles möglich zu sein.

 

Zu guter Letzt noch die obligatorischen Daten:

Schaltung:                         Darlington parallel Push Pull OCL

Leistung:                            2 x 120 Watt an 8 und 4 Ohm

Bandbreite:                       5 Hz bis 100 kHz bei 0,05% Verzerrungen

Eingang:                            1V/50kOhm

Dämpfungsfaktor:          100/8Ohm

Kanaltrennung:               105dB bei 1 kHz

Signalrauschabstand:    120 dB A-bewertet

Stromaufnahme:            280 Watt Leerlauf

Stromaufnahme:            800 Watt Volllast

Maße:                                42,0 x 37,0 x 15,3 Zentimeter (BxTxH)

Gewicht:                            22,5 Kilogramm

 

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