Graaf GM-200 Stereo Endverstärker

Graaf GM 200 – Stereoendstufe

Die Graaf GM 200 Stereoendstufe ist ein Sinnbild eines schönen leistungsstarken Endverstärkers, basierend auf 32 Stück PL504 Röhren und einer feinen OTL Schaltung. Erdacht und gebaut von Giovanni Mariani. Eine kleine High-end Schmiede aus dem schönen Modena, in Italien.

Die GM200 präsentiert sich in einer sogenannten OTL Schaltung. Zu deutsch – ein Endverstärker der keine Ausgangstransformatoren aufweist. Selbst mit den besten modernen Materialien, bleibt der Ausgangsüberträger das schwächste Glied in einer Schaltung. Denn hier gilt grundsätzlich – bei niedrigen Frequenzen und seiner endlichen Induktivität verliert der Ausgangsübertrager bei hohen Frequenzen seine Fähigkeit Streukapazität, Streuinduktivität und Hochfrequenz-Kupferverluste zu kombinieren. Also Folge davon treten ungewünschte Dämpfungseigenschaften auf und führen zu nicht unerheblichen Phasenverschiebungen. Schon in den frühen Tagen der High-fidelity waren Audio-Designer bemüht, einen idealen Verstärker zu erschaffen. Mit viel Energie und Entwicklungsaufwand wurde in die Optimierung des jeweiligen Trafo-Designs investiert. Eine Arbeit die auch heute noch permanent geleistet wird. Ein Ansatz erschien bereits 1934 gefunden, so fand H.S. Schwarz in der negativen Rückkopplung einen gangbaren Weg um die stark limitierenden Nachteile zumindest teilweise auszuschalten.

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Mit den Schutzblechen abgedeckt verweiltder Bilck auf den fein glimmenden vorderen Röhren. Die 32er Phalanx verbirgt sich hinter verchromten Blechkäfigen

Einen weiteren Ansatz fand man im Bestreben den Ausgangsübertrager gänzlich weg zu lassen. Der Grundgedanke der OTL Schaltung war gefunden. Auch wenn die erste OTL Schaltung kein besonders erfolgreicher Verstärker am Markt wurde. Nicht unerheblich zeigte sich die Hauptschwierigkeit der OTL Schaltung. Hier geht es um die Problematik dass eine hochohmig arbeitende Röhre nur sehr schwer mit einem niederimpedanten Lautsprecher zurande kam. Der Umweg über einen hochohmigen Lautsprecher, hier könnten schnell mehrere Hundert Ohm gefragt sein, erscheint ebenso unpassend. Der Ausgangstransformator arbeitet im Wesentlichen wie ein Impedanz-Transformator. Erst mit der Konstruktion der 6AS7G Doppel Leistungstriode Mitte der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erschien eine anwendbare Röhre am Markt. Mit ihren 280 Ohm Widerstand, und genügend Röhren parallel geschaltet, konnte man auch die damalig verbreiteten 16 Ohm Lautsprecher sinnvoll betreiben.

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Die Graaf GM-200 ist eine veritable Augenweide – Oben Ohne vermag sie noch ein klein wenig mehr begeistern

Eine moderne OTL Schaltung wie die der GM-200 bietet heute doch wesentlich mehr als ein Verstärker aus den Anfangsjahren dieser Schaltung. Die bärenstarke Endstufe leistet 2 mal 200 Watt an 8 Ohm. Auch wenn die Leistungsröhren scheinbar direkt an den Membranantrieben „hängen“ so verweist das Datenblatt auf einen sehr geringen Dämpfungsfaktor von 12. Sie erinnern sich, der Dämpfungsfaktor ist eine dimensionslose Zahl welche vereinfacht die Kontrollfähigkeit des Verstärkers der angeschlossenen Bassmembranen im Lautsprecher beziffert. Ein geringer Wert darf dennoch nicht persè negativ gewertet werden. Die GM-200 hat durchaus die klassischen Kontrollfähigkeiten eines kraftvollen Verstärkers, und führt die Diskussion um einen hohen Dämpfungsfaktor einmal mehr ad absurdum. Hier ist dem Wert mehr Bedeutung zuzuordnen, da hier ein Ausgangsübertrager fehlt, und die Anpassung der Impedanz durch die Parallelschaltung der vielen Röhren herbeigeführt wird. Die zahlreichen Ausgangsröhren hängen nahezu direkt an den Membranen. Aus elektrischer Sicht ein hervorragender Weg, einen Lautsprecher zu kontrollieren. Man kann eine gute OTL Schaltung durchaus in die Königsklasse des Verstärkerbaues einsortieren. Sie verspricht einen kräftigen antrittsstarken Röhren-Klang, bei Leistungswerten welche auch einem feinen Transistor Protagonisten gut zu Gesicht stünden.

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 Das Anschlussfeld ist wertig bestückt und kann sich sehen lassen

Für viele Musikliebhaber ist eine Röhre noch immer das einzig sinnvolle Bauteil in einem „gscheiten“ Verstärker. Die Röhre sorgte und wird auch künftig für spannende Vergleiche und so manchen kontrovers diskutierten Meinungsaustausch sorgen – soviel ist gewiss.

Die Bestückung einer Graaf GM-200 kann sich sehen lassen. Neben den 32 Ausgangsröhren PL504, sind 2 x 12BZ7, 2 x 5965, sowie 4 EFL200/6Y9 und 2 x EM81/6DA5 verbaut. Die Eingangsimpedanz beträgt 100 Kiloohm. Das negative Feedback 17,5 dB. Der Strombedarf schlägt hier bedauerlicherweise mit gut 800 Watt im Normalbetrieb zu Buche, während im Vollastbetrieb auch mal 1600 Watt in Klang „umgewandelt“ werden. Ein deutlicher Fingerzeig auf die kräftige Wärmeentwicklung der bärenstarken Endstufe. Mit den Maßen von 44,5 Zentimeter in der Breite, sowie 41,5 Zentimeter in der Tiefe, will die Endstufe angemessen untergebracht werden. Wegen der Höhe von gut 21 Zentimetern und der nicht unerheblichen Wärmeentwicklung durch die große Anzahl von Leistungsröhren sollte man hier das Doppelte der Bauhöhe im Rack einplanen, oder eben wie auf den Bildern zu sehen, auf die obere Standfläche des Sideboards stellen.

GRAAF Story-2

Um die kleine aber sehr feine italienische Röhren Schmiede ist es in der Vergangenheit etwas ruhiger geworden. So verweist der Hersteller auf die „alte“ Web-Site. Eine sehr informative Aufmachung welche das damalige Sortiment sehr gut beschreibt. Für den Suchenden solcher älteren Pretiosen, eine unerlässliche Quelle zum Sortiment und zu den reichhaltigen Bildern. Bedauerlicherweise findet man selten ein Angebot am Gebrauchtmarkt. Schade für den Interessierten und Fan dieser Marke, anderer seits ein Zeichen dafür dass wenn man mal eine hat, sie nur ungern wieder veräußert. Umso glücklicher darf sich Besitzer Bernard Planko schätzen, der uns die schönen Bilder dieses edlen Vertärkers zur Verfügung stellte. Er schwört übrigens auf die Kombination mit einer feinen Quelle und seinen beeindruckenden Magnepan Flächenlautsprecher.

http://www.itcol.com/graaf/maineng.htm

Die Ruhe dürfte aber dennoch alsbald vorbei sein. Die kompetenten Mannen von Graaf haben einen aktuellen Stereo Endverstärker im Jahr 2013 in das Rennen um die Kundengunst geschickt und legen auch bald eine angemessenen Vorstufe nach. Wir dürfen gespannt sein.Vielleicht ergibt sich ein baldiger Test in unserem Schwestermagazin Sempre-Audio.at

http://www.graaf.it/index.php

 

 

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