Accuphase DP 70

 

Über Accuphase schreiben, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Und dennoch ist ein Blick auf dieses Gerät mehr als nur eine Erinnerung vergangener Tage. Accuphase Zauber, auch bekannt unter „Sens of Wonder“.

Der DP 70 ist das Mittlere von insgesamt drei Modellen. Als Einstiegsmodell in die damals neu erschaffene Digital-Welt zeigt sich der DP 60, während die Kombination aus Laufwerk und Digital-Wandler DP 80 und DC 80 die wohl damals machbare Spitze darstellten. Zu seiner Zeit vermutlich der beste CD Player schlecht hin. Wie weit der DP 70 das Nachsehen hatte, mutet heute fast schon akademisch an. Accuphase bot damals schon eine Verarbeitungsqualität an, welche für nahezu jeden Hersteller die Messlatte darstellte. Der DP 70 bringt für einen CD Player unglaubliche 21 Kilogramm auf die Waage, und drückt vernehmlich in die Handflächen. Eine Umbauaktion im heimischen Hi-Fi Rack will aus einer standfesten und Rückgrat schonenden Position geleistet werden.

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die aufgeräumte Frontplatte des DP 70

Accuphase typisch zeigt sich der Player mit einer Champagner Frontplatte, welche respektabel dick gewählt wurde. Die Oberflächengüte ist auch nach gut 28 Jahren nahezu makellos. Sammler wissen dass ein Gerät dieser Altersklasse so manches hinter sich gebracht hat. Abgesehen von übereifrigen peniblen Putzwütigen, mit Unmengen an Reinigern und handfesten Lappen, lagert sich auf der mikrofeinen Oberflächenstruktur Kalk und sonstige Rückstände über die Jahre ab. Dem Geräte Besitzer fällt die schleichende Verunreinigung meist nicht auf. Der Vergleich mit einem korrekt gepflegten Gerät zeigt schnell auf, wie sehr man seinem Gerät trotz guten Willen geschadet hat. Der Hauptverursacher ist der Kalk. Genau genommen sollte man ausschließlich mit entkalktem Wasser reinigen. Über die genaue Handhabe wird oftmals ausgiebig diskutiert, so schwören doch viele auf die eigene Rezepturen. Fakt ist hier, dass möglichst wenig Inhaltsstoffe der Reinigungsflüssigkeit auf die Frontplatte gelangen soll. Während eine Flüssigkeit verdunstet und abtrocknet, verbleiben die Inhaltsstoffe in der feinen Oberflächenstruktur zurück. Alkoholhaltige Reiniger können die Oberfläche leider ebenso auf lange Sicht schädigen. Ich selbst habe sehr gute Erfahrung mit einem sehr schwach konzentrierten und milden Geschirrspülmittel gemacht. Dazu möchte ich aber in einem eigenen Beitrag mehr erzählen.

Der Player, welcher zurzeit sein Stelldichein in der Redaktion gibt, scheint hier bemerkenswert unbelastet zu sein. Ein darüber Streichen mit der Fingerkuppe fühlt sich edel und besonders fein an. Schatten oder Verfärbungen sind hier keine fest zu stellen. Der Pflegezustand ist bemerkenswert nahe am Neuzustand. Der schwere Gehäusedeckel weist kleine Druckstellen auf – OK nach so langer Zeit. Die Holzseitenteile, Angriffsziel so mancher „Unfälle“ können natürlich an Ecken und kanten abgeschlagen sein. Die Accuphase Holzteile sind massiv und bemerkenswert dick furniert, aber hartnäckigen Stoßkanten ebenso ausgeliefert wie die anderer Hersteller.

Die Front wirkt sehr aufgeräumt. Wohltuend wenn man die Knopf-Phalanxen anderer japanischer Hersteller betrachtet. Play, Vor- und Zurück-Skippen und Pause, sowie die Open Taste für das Laufwerk. Alle weiteren Bedienelemente, ausgenommen der Power Taster, befinden sich unter einer massiven Alu-Abdeckklappe. Eine Klappe welche per Federmechanismus bewegt wird. Ein leichter Druck gegen die Frontplatte entriegelt den Mechanismus und lässt die Klappe zart und wie ölgedämpft nach unten gleiten. JA, es ist ein Gleiten und kein simples Öffnen. Diese Form der Haptik, welche sich perfekt in das edle Gesamtbild einfügt, war damals, aber auch heute etwas Besonderes. Selbstverständlich verfügte der DP 70 über alle gängigen Ausstattungsmerkmale. Eine 10er Titelanwahl, verschiedene Programmierfunktionen, und einiges mehr. Umständlich wirkte hier allerdings eine unter der Bedienelementenklappe versteckte Stopp-Taste. Das sollte aber der einzige Makel sein, der sich zeigen sollte.

Seine Innereien, will heißen, die Technologie welche Accuphase damals verbaute, war zu seiner Zeit das was sich die Entwickler und natürlich der betuchte Kunde unter State of the Art vorstellte, zumindest in der damals noch nicht so überbordenden High-end Klasse. Accuphase setzte schon damals auf die kompromisslos anmutende diskrete Bauweise. Die Schaltungen wurden nicht durch Chip-Lösungen aufgebaut, sondern durch raumgreifende und Bauteilintensive Schaltungen realisiert. Eine bärenstarke und strikt getrennte Stromversorgung für die digitalen und analogen Sektionen war in dieser Klasse bei Accuphase selbstverständlich. Altertümlich aus heutiger Sicht mutet hingegen die 16 Bit 4 fach Oversampling Struktur an. Wobei hier die Japaner nicht auf zugekaufte Chips setzten, sondern mit einem enormen Aufwand diskrete Lösungen entwickelten. Der Vorteil liegt auf der Hand – der Entwickler kann hier sehr flexibel eigene Vorstellungen in der Schaltungstopologie erarbeiten.

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Innenansicht DP 70

BU-1C Lasereinheit

Lasereinheit Sony BU-1C mit Mechanikplatte

Die Schwachstelle des DP 70 liegt wie bei allen CD Playern im Allgemeinen in der Lasereinheit. Leider haben die Baugruppen ein Ablaufdatum. Auch wenn ein Typ sehr lange halten kann, so ist ein Ausfall dennoch jederzeit möglich. Ein Lasertausch, inklusive Abgleich, wird fällig. Accuphase setzte zu jener Zeit zugekaufte Lasermodule von Sony ein. Man muss hier zwischen einem Ersatzlaser und einem Laser mit Mechanik Gerüst zur Montage unterscheiden. Der Laser kann noch unter der Bezeichnung Sony BU-1C bestellt werden. Mit der Montageplatte kostet ein originales Ersatzteil allerdings respektable 650 bis 700 Euro. Ob man diese Ausgabe tätigen möchte, kann man aus wirtschaftlicher Sicht nur schwer beantworten. Ein Sammler, oder ein Liebhaber seines betagten CD Player aus vergangenen Tagen wird das vermutlich etwas entspannter sehen. Hinzu kommen natürlich noch die Lohnkosten für den Techniker. Ein Austausch ist ohne Messgerät und geerdeten Arbeitsplatz nicht zu bewerkstelligen, zumal hier ein Service-Manual zu Rate zu ziehen ist. Vor dem Kauf eines entsprechenden Gebrauchtgerätes, sollte man sich zwingend nach der Verfügbarkeit etwaiger Ersatzteile erkundigen. Da die Laser Ersatzteile oftmals nicht mehr neu produziert werden, kann hier bereits das Ende der neu erstandenen alten Liebe auftreten. Eine böse Überraschung welche manmit einer entsprechenden Recherche vermeiden kann.

Es stellt sich natürlich die Frage ob sich eine derartige Hi-Fi Legende klanglich behaupten kann. Immerhin haben wir hier augenscheinlich veraltete 16 Bit/4 fach Oversampling als Datenwandlung zu beurteilen. Gut, ein ernsthafter Vergleich mit hochauflösenden Daten ist unfair. Vermutlich bringt ein heute moderner SACD Player den Accuphase bereits in Bedrängnis. Nun, so einfach ist das dann doch nicht.Wenn kein SACD Player, oder DSD Daten von der NAS, dann nehmen wir einen teuren guten CD Player, und da sieht die Welt schon etwas anders aus.

Klangentscheidend sind natürlich neben der eigentlichen Wandlung auch die analoge Ausgangsstufen, und natürlich eine ausgeklügelte und kräftige Stromversorgung, welche natürlich eigene Trafoabgriffe für die digitale und die analoge Sektion beinhaltet. All das bietet natürlich der japanische Wertgegenstand.

Accuphase wird von seinen Fans geliebt – heute wie damals. Das ist Fakt, und ist natürlich in seinem feinen edlen und charakterstarken Klangbild begründet. Schon vom ersten Ton macht der alte Recke klar, dass seine Performance auch heute noch mehr als nur mithalten kann. Der DP 70 baut eine breite und tiefe Bühne auf. Fast schon mag man zum Schluss kommen, dass sich die glänzende warme Frontplattenfarbe auch im Klangbild und seinen Klangfarben wieder spiegelt. Nun, das darf getrost als Metapher angesehen werden. Der DP 70 baut eine breite und sehr sphärisch wirkende Bühne vor dem Zuhörer auf, während andere Player ein mitunter technisch perfektes Klangbild aufbauen. Sofern es die Aufnahme zulässt, reihen sich die Musiker in ein plastisches Bühnenbild vor dem geistigen Auge ein. Jederzeit sind feinste Details klar nachvollziehbar zu hören. Der Bass folgt hier der Grundtendenz zu einem warmen Klangbild, und zeigt im direkten Vergleich zu einem aktuellen Player, geringe Schwächen in Schwärze und Substanz, zudem manifestiert sich der Eeindruck, dass der DP 70 minimal länger zeit benötigt um zu einem kräftigen Bassschlag aus zu holen. Aber das ist gefühlt, und definitiv kein Makel, sondern eher eine „Eigenschaft“ welche perfekt zu seinem Charakterspiel passt. Der DP 70 wird niemals lästig, selbst bei sehr kritischem Musikmaterial. Vermutlich sind es diese Eigenschaften, welche den Accuphase Zauber ausmachen. Während andere Top-Player in Einzeldisziplinen punkten, und sich etwas vom Accuphase absetzten können, punktet der Japaner mit einer „runden“ Perfektion. Es gibt keine wirkliche Schwäche, es sei denn man stößt sich an seinem relativ stabilen Gebrauchtpreis und seinen 21 Kilogramm, welche erstmal von der Paketausgabe nach Hause geschleppt werden müssen.

 

 

 

 

 

 

 

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