Musical Fidelity X-LPS Phono Vorstufe

Musical Fidelity X-LPS Phono Vorverstärker – nicht nur für den Einsteiger

Phono Vorstufen sind essentiell für den Vinyl-Liebhaber. Einer Einbaulösung im Verstärker für die Entzerrung und Verstärkung feinster RIAA Signale traut man im Allgemeinen nicht so viel zu wie dessen externen Geschwistern. Deshalb bieten fast alle Hersteller derartige stand-alone Lösungen in allen möglichen Preisklassen an. Eine solche Lösung aus gestrigen Jahren haben wir nun zur Begutachtung. Der Musical Fidelity X-LPS Phono Vorverstärker soll zeigen was er heute noch zu leisten vermag. Damals in einer günstigen Preisklasse angesiedelt, kann sie heute als Gebrauchtgerät ein keines Preis-Leistungs-Wunder darstellen.

Die ersten Musical Fidelity Komponenten erblickten 1982 das Licht der Musikwelt, und ist seit jenen Tagen für edle, und gut klingende Einsteiger Preisklassen bekannt, und natürlich auch für die „gewichtigen“ Geräteklassen. Aber um diese soll es heute nicht gehen. Die sogenannte X Serie startete ca. 1995 und positionierte sich ambitioniert einige Jahre sehr erfolgreich bei Einsteigern, aber auch bei Aufsteigern in der Hi-Fi Szene, bis die Nachfolge Serie mit eckigem Gehäuse ein würdiges Erbe weiter führten durfte. Weitere Eckpunkte in der X-Serie stellten die 1997 erschienene Nu-Vista Röhrenvorstufe, und kurz darauf der X-ACT DAC. Mit dem X-24K upsampling DAC läutete 1998 schon sehr früh eine neue digitale Zeitrechnung ein. Komplettiert wurde die gesamte Serie mit verschiedenen Vorstufen und Endstufen, aber auch einer Röhrenpuffer Zwischenstufe, um dem damals noch verbreiteten gefühlt harten Digitalklang zu begegnen.

Der X-LPS verfügt über jeweils ein Eingangsbuchsen-Paar für MM und MC Tonabnehmer, welche über einen kleinen Drucktaster geschaltet werden, eine Erdungsklemme, sowie über einen Ausgang mit verschraubten Cinch-Buchsen (RCA) zum Verstärker. Mit dem Lebenssaft wird der feine Phono Vorverstärker über ein angemessenes und hochwertiges Stecker Netzteil versorgt. Musical Fidelity sorgte auch bei seinen kleinen Preisklassen für eine gute Stromversorgung, so verwundert es nicht dass das Netzteil respektabel auf die Waage drückt, und nicht in jede Spalte hinter dem Rack passt. Musical Fidelity verweist auf die Erkenntnis dass eine solide Stromversorgung in jeder Geräte-Preisklasse Pflicht sein soll, denn an der Basis beginnt es.

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Das rückseitige Anschlussfeld

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Betriebsbereit aufgestellt und verkabelt

Äußerlich stellt die X-Serie von Musical Fidelity einen wohltuenden Sonderfall dar. Das Strangguss Gehäuse mit den feinen Abschlusskappen aus Alu, im Falle der Frontplatte, und einer soliden Stahlplatte rückseitig, ermöglicht dem Hersteller eine erfreulich günstige Kalkulation, aber auch ein Alleinstellungsmerkmal am Hi-Fi Markt. Der Wiedererkennungswert wurde hier auf günstige und trotzdem aufregend edle Weise realisiert. Wenn man die sonst hohen Kostenanteile für das Gerätegehäuse berücksichtigt, fällt hier bei einem Zielpreis erfreulich viel „Wert“ für die eigentliche Funktion ab.

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Im Sinne des Kunden preiswert aber edel verarbeitet – das Stranggussgehäuse

Die Anschlusswerte für den Tonabnehmer wurden bewusst universell ausgelegt, sodass der Anwender keine Einstellungen selbst vornehmen muss. Die Eingangsempfindlichkeit beträgt bei MM Tonabnehmer 3mV, und bei MC Systemen 350 uV. Die Impedanz wird bei Moving-Magnet mit 47 kOhm, und universellen 100 Ohm bei Moving -Coil Tonabnehmer angegeben. Die Harmonischen Verzerrungen sollen unter 0,01% betragen, ein sehr guter Wert, wenn auch nicht Referenzverdächtig. Aber auch der Signalrausch-Abstand kann sich für diese Preisklasse durchaus sehen lassen, denn diese betragen bei MM 80 dB und bei MC Tonabnehmern noch sehr gute 72 dB, während die Abweichung von der RIAA Entzerrungskurve im Mittel bei +- 0,5 dB liegt.

Das sehr sauber verarbeitete und lackierte Strangguss Gehäuse wiegt ca. 1,3 Kilogramm und misst 220 Millimeter in der Tiefe und hat einen Durchmesser von 110 Millimetern. Die dicke ALU-Frontplatte weist eine kräftig Rot leuchtende Bereitschaftsanzeige auf.

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Die Testgegener – Modelljahr 2013/2014 versus 1995

So minimalistisch das Äußere aufwartet, so detailreich äußert sich der klangliche Auftritt. Sie ist kein absolutes Feinzeichnungswunder, lässt aber auch keine Details vermissen. Die feinen Geräusche wenn der Bogen auf die Violinen Saiten aufsetzt oder am Ende der Streichbewegung die Richtung wechselt, sind klar strukturiert vernehmbar, und lassen auch im Vergleich zu einer modernen Pro-Ject Phono Box Ds wenig an Substanz vermissen. Tonal sortiert sich die kleine Musical Fidelity eher im warmen Lager ein. Das sorgt für viel Tiefenentspannung bei langen Hörsitzungen. Während die Pro-Ject Phonostufe den Tester mit einem neutralen Klang verwöhnt, würzt die Musical Fidelity aus den 90er Jahren mit einer Portion Wärme im Grundton und in den Stimmlagen. Im Tiefbass schenken sich beide Protagonisten nur wenig. Nicht absolut tief reichend, und dabei streng der Vorlage folgend, vermitteln beide ein ähnliches Fundament.

Für Spaß und Freude sorgen beide Vorstufen gleichermaßen, auch wenn sie tonal unterscheidbar sind. Die X-LPS konnte den Tiefbass-Lagen auf dem aktuellen Album von Dead Can Dance „Anastasis“, im Titel „Opium“ gut folgen, auch wenn sie dabei die Originalvorlage nicht ganz so akkribisch kopiert.

Ein Musikstück dass surreal und mit viel Getragenheit beim Zuhörer einen sehr speziellen Zustand auslöst, ohne dabei auf die Zuführung von bewusstseinserweiternder Substanzen angewiesen zu sein. Dass dieser Titel aber auch enorme Auflösung von der Wiedergabekette abverlangt, wird in einem Quervergleich mit der Phono Box DS dann doch deutlich. Aber die Detailflut muss nicht bei jedem Musikliebhaber im Pflichtenheft stehen. Wenn Spielwitz und Charme verlangt werden, hat die X-LPS erfreulicherweise für den Vintage Liebhaber die Nase vorne.

Am Gebrauchtmarkt tummeln sich doch noch relativ viele Angebote. Bei einem damaligen Neupreis von ca. 300.- Euro, sollten heute von 75.- bis 150.- Euro und je nach Zustand eingeplant werden. Die Phonostufe ist erfreulicher weise sehr robust, und zudem überall reparierbar.

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