Le Tallec Stad-1

Le Tallec Stad 1 – Legende der 80er

Ein Laufwerk aus den frühen 80er Jahren vermag auch heute noch mit einem guten Oracle Tonarm, sowie einem feinzeichnenden Ortofon MC20 Super Tonabnehmer zu überzeugen. Die Besonderheiten stecken im Detail und sind nicht auf ersten Blick zu erkennen. Klanglich vermag sich der Franzose dafür umso schneller in die Herzen zu spielen.

Oftmals spielen Zufälle eine große Rolle. Ein Zufall, welcher uns ein sehr seltenes feines französisches Laufwerk präsentiert. Herzlichen Dank an einen treuen Leser und guten Freund Andreas K.

Freunde des französischen Plattenspielerbaues werden mit diesem Bericht vermutlich eine große Freude haben. Der Stad 1 stammt aus den frühen 80er Jahren, also aus jener Zeit als die CD das Laufen lernte, und die Schallplatte sich am Gipfel der Beliebtheit befand. Das sogenannte Masselaufwerk in allen Ausprägungen, von der kapitalen Bohrinsel bis zu den vielen Zwitterbauformen befand sich ebenfalls in den ersten Stunden. Der Stad 1 präsentiert sich als eine Zwitterbauform, eine Mischung aus massereichen Laufwerk und filigranem Plattenteller.

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Obwohl der Le Tallec Plattenspieler eine massive Grundbauform aufweist – die Basis ist ein massiver MDF Block, welcher die Technik beherbergt – zeigt sich der Teller eher von einer zarten Bauweise. Wirklich leicht ist Glas zwar nicht, aber die Motor-Riemen-Einheit hat kein Problem den zweiteiligen Glasteller über einen Subteller hoch zu beschleunigen und auf konstanter Drehzahl zu halten.

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Der Aufbau ist beim Stad 1, welcher das Grundmodell darstellt, mittels vier gefederten höhenverstellbaren Füßen bewerkstelligt. Das Modell Lambda hingegen verfügt über eine separat gefederte Basisplatte die mittels dreier Federfüße aufgestellt wird. Die Federfüße selbst stehen auf ca. 6 mm starken Metallrundlingen und dicken Filzscheiben. Die Motoreinheit ist im Inneren des Basisblockes montiert, und wird durch Gummielemente vom Laufwerk isoliert, sodass die Schwingungen des Papst Antriebes keine nachteiligen Auswirkungen auf den Klang ausüben. Die massive MDF-Zarge ist in einem zeitlosen feinen schwarzen Klavierlack ausgestaltet, und dürfte damals, aber auch heute so manchen Begutachter begeistern. Selbst nach mehr als 30 Jahren zeigt sich der Lack sehr sauber und weitgehend unverkratzt. Ein deutliches Indiz auf eine liebevolle Pflege während seines langen Daseins.

Die Besonderheit stellt der einfache aber hocheffektive arbeitende zwei geteilte Glas-Plattenteller. Während beim Lambda zwei Teller mit unterschiedlichen Dicken zum Einsatz kommen, zeigt sich der Aufbau beim Modell Stad 1 mit zwei gleich dicken Glasscheiben, von rund 8 mm Stärke, bestückt. Der obere Glasteller ist mit einer etwas festeren Filzmatte vollflächig vom unteren Trägerplattenteller isoliert, und wird lose auf den unteren Glasteller und seine Filzschicht aufgelegt. Die Zentrierung erfolgt durch einen nahezu spielfrei passenden Dorn. Bezüglich des Aufbaues sei angemerkt, das Glas klanglich mitunter etwas kritisch sein kann. Ein unbedämpfter Glasteller könnte etwaige Störgeräusche und Resonanzen des Laufwerkes aufnehmen und ungemindert an den Klang weiter reichen. Hier wirkt aber die Dämpfung der Filzeinlage zwischen den moderat dimensionierten Glastellern.

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Der Tonabnehmer Ortofon MC 20 Super – durch Alex Schürholz aufgearbeitet – zeigt sich in seiner Bestform

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Auf diesem Laufwerk ist ein Oracle Tonarm verbaut, welcher ein feines sündiges Ortofon MC20 Super Tonabnehmer System aufmontiert bekam, eines das durch die Hände des bekannten Alex Schürholz ging. Der Oracle Tonarm ist natürlich einer von mehreren Tonarmen welche auch dem Le Tallec Laufwerk gut funktionieren. Wichtig wäre hier zu erwähnen, dass sich der Franzose mit einem eher leichteren Tonarm deutlich wohler fühlt als mit den schweren Vertretern. Das Ortofon MC20 ist von seinen klanglichen Leistungen ein klug ausgewählter Spielpartner. Der Tonabnehmer präsentiert sich hochauflösend und sehr dynamisch in seiner Spielweise. Als weitere Tonarm Alternativen sei der Mayware Formula 4, ein sehr umgänglicher Ein-Punkt gelagerter Tonarm für Tonabnehmer mit sehr hoher, aber auch sehr geringer Nadelnachgiebigkeit.

Klanglich ist das Le Tallec Laufwerk ein kleiner Charmeur. Er spielt auf den Punkt, glänzt auch nach der langen Zeit mit vielen Details und einem aberwitzig schnellen Antritt. Die hochauflösende Spielweise begründet sich natürlich auch mit dem wirklich gut passenden Tonabnehmer System Ortofon MC20 Super, welches auf seine nur schwer vermittelbare Weise jedes Klangdetail aus der Rille löst, ohne gleich ein Vermögen zu kosten. Das Laufwerk selbst ist eine wirklich geniale Konstruktion, und ist natürlich die Grundvoraussetzung dass ein feines Tonabnehmersystem seine Arbeit verrichten kann. Die Masse der Basis, allen voran die Grundeigenschaften des Werkstoffes MDF, sorgt für eine Laufruhe an der manche moderne Vertreter etwas zu „kiefeln“ haben, wie man so schön umgangssprachlich zu sagen pflegt. Der weitere Aufbau mit einem genau dimensionierten Antrieb und passender Gummihärte, in Verbindung mit dem diffizilen und nicht zu massiven Plattenteller sorgt für das geniale Spiel.

Ginga – „They should have told us“ Ein Album aus dem Jahr 2011, verlegen von Monkey.music, zeigt seine spröde aber unfassbar charmante Seele über dieses Laufwerk. Man hat tatsächlich das Gefühl das die Jungs rund um Alex Konrad leibhaftig auf der virtuellen Bühne stehen. Die harten Riffs und Schlagstöcke treffen in die Seele des Musikliebhabers, und werden direkt unter die Haut getrieben. Auch heutige Laufwerke müssen sich anstrengen, um auf ähnliche Weise zu begeistern.

Dead Can Dance – „Anastasis“ zeigt hier so manchem Plattenspieler klare Grenzen auf. Grenzen aus klanglicher Sicht, welche manchmal nicht überschritten werden. Das Album ist ausgesprochen gut produziert, und begeistert mit skurillen und verklärten Klangkulissen, die dem Musikliebhaber die D.C.D. Seele öffnen und einen melancholischen Klangkosmos in das Hörzimmer zaubern. Der Titel „Opium“ ist ein wahrer Prüfstein für jedes Tonabnehmer System. Der brachiale Tiefbass, eine langsam getragene Bass-Line verleitet zu starken Auslenkungen und fordert die Abbildungseigenschaften des Systemes im Mittelton und Hochton Bereich. Leider glänzen hier viele Laufwerke entweder mit diesem unfassbaren Tiefbass oder mit der melancholischen Klangkulisse und Perrys sanften Gesang. Der Stad 1 präsentiert hier einen Perry wie man ihn kennt und schätzt, verzichtet aber auf das letzte Quäntchen Tiefgang. Das ist gut so, denn ein ausgewogener Kompromiss ist in Summe deutlich mehr als eine Spitzenleistung in einer Einzeldisziplin. Damit wären wir auch bei dem einzigen Nachteil, wenn es denn überhaupt einer sein soll. Die Wiedergabe einer sehr tiefen Basslage, ist nicht leicht zu bewerkstelligen. Ob man mit der Erhöhung der Masse bei diesem Laufwerk, zugunsten der Stabilität im Tiefbass, wirklich einen guten Job gemacht hätte, bleibt natürlich unbeantwortet. Denn so einfach lässt sich diese Thematik ohne den Entwickler des Gerätes nicht beantworten. Das Laufwerk lädt jedenfalls zum Ausprobieren ein. Ein anderer Tonarm und ein noch hochwertigeres Abnehmer-System können durch aus in die gewünschte Richtung gehen.

Am Gebraucht-Markt wird hie und da mal ein edles Laufwerk aus diesem Hause angeboten. Grundsätzlich wurden drei Modelle gebaut, alsda wären, Stad 1, der Lambda sowie das edle Spitzenmodell Stasis 1. Die Seltenheit wird sehr wahrscheinlich Einfluss auf den Preis nehmen, denn Seltenes und Rares ist hier entsprechend zu entlohnen. 2.000,- Euro oder mehr, sind keine Seltenheit. Ob man diesen Betrag zahlen möchte, hängt natürlich auch vom Suchtfaktor des Laufwerkes ab, sollte sich aber dann doch am Zustand orientieren. Das Laufwerk zeigt sich sehr robust, sodass sich bei entsprechender Pflege seitens Vorbesitzers kein Frust einstellt. Der Antriebsgummi verhält sich wie jeder andere Gummi, er läuft natürlich Gefahr dass er sich etwas ausdehnt, und damit seinen erdachten Kraftschluss verliert. Der Klang wird sich etwas Träger und Lustloser zeigen. Leider muss man sich einen passenden Ersatz anfertigen lassen müssen. Das Lager ließe sich vom Fachmann reinigen und aufpolieren, soll aber ausgesprochen robust konstruiert sein.

 

Zu guter Letzt noch ein paar technische Details zum Stad 1
Modell:                                               Le Tallec – Stad 1

Antrieb:                                              Rundriemen

Motor:                                                AC Synchron

Teller:                                                  Glasteller zweischichtig aufgebaut 305 mm

Geräuschspannungsabstand:         78 dB

Gleichlaufschwankung:                   < 0,06 %

Baujahr:                                              ~ 1980

Preis:                                                   ca. 50.000.- ATS

 

Tonabnehmer:                                  Ortofon MC 20 Super ( Aufgearbeitet durch Alex Schürholz )

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