Lautsprecherklemmen am Verstärker

 

Sollten Sie die Leidenschaft nach älteren Semestern aus der Hi-Fi Welt in sich tragen, so haben Sie doch manchmal das Problem ein passendes Lautsprecherkabel zu finden. Eine erste Hürde scheinen wohl die alten kleinen Lautsprecher-Anschlussklemmen auf der Verstärker-Rückseite darzustellen. Mal ist kein Loch für Bananenstecker vorhanden, dann wieder eine viel zu schmale Schlitzöffnung für heute gebräuchliche Gabelschuhe. Was tun ?

 

Lautsprecherkabel Konfektion

 

Mit großer Begeisterung durchsuchen wir die üblichen Verkaufsplattformen, um das eine oder andere Schnäppchen zu machen, aber auch um alte Leidenschaften aus vergangenen Tagen wieder zu entdecken. Ja, schwelgen Sie ruhig in Ihren Erinnerungen. Schnell erscheinen Bilder so mancher Legende im Kopf. Meine Leidenschaft dreht sich ganz klar um Luxman und Marantz. So ist es auch nicht verwunderlich dass ich mir vor einiger Zeit einen sehr seltenen Marantz PM 15 aus dem Jahr 1994 anschaffte. Gerade dieser riesen Amp ist besonders schwer zu ergattern. Als hochpreisiger Vollverstärker, er kostete bei seinem Markteintritt im Jahr 1994 immerhin fast 70.000.- österreichische Schillinge, ist er nicht sehr oft verkauft worden. Das macht ihn rar und auch gebraucht noch sehr teuer.

Nachdem ich nach gut 10 Jahren Suche endlich mein 32 Kilgramm Dickschiff gefunden hatte, an den Preis darf ich gar nicht mehr denken, steht er nun an seinem vorgesehenen Platz, und tut das für was er gekauft wurde. Er spielt hervorragend Musik, und knüppelt bei Bedarf auch meine Lautsprecher in den Grund und Boden.

Der Erhaltungszustand, aber auch der Grad der Benutzung seitens der, oder des Vorbesitzers, erkennt man neben dem allgemeinen optischen Zustand, auch an den Anschlussbuchsen. Die RCA (Cinch) Buchsen, sowie die Lautsprecherklemmen zeigen schnell am Grad der Abkratzungen und Riefen wie oft Geräte an- und abgesteckt wurden, beziehungsweise wie mit ihm umgegangen wurde. Der Kontakt für die feinen Strömchen wird natürlich über die Oberflächen der Stecker und Anschlussbuchsen hergestellt. Je sauberer und unbeschädigter die jeweiligen Oberflächen sind, je niederer auch der Übergangswiderstand. Im Gegensatz zu der bisweilen weit verbreiteten Meinung dass ein Kabel den Klang ausmacht und stark beeinflusst, gilt es diese Thematik aus elektro-technischer Sicht zu betrachten. Wesentlich entscheidender ist die Qualität der Kontaktflächen und den daraus resultierenden Übergangswiderständen. Hier ist penible Sauberkeit angesagt. Die Buchsen sollten von hoher Qualität sein, und idealer weise auch hartvergoldet, allen voran aber sollten alle Kontakflächen penibel und regelmäßig gesäubert werden. Die Ausstattung der Verstärker betrifft in erster Linie den Hersteller, während der Erhalt und die Pflege in der Verantwortung des Anlagenbesitzers obliegen.

Während Sie die glatte und feine Oberfläche einer Kontaktstelle betrachten, erscheint diese unter dem Mikroskop keineswegs so glatt wie es das menschliche Auge erfassen kann. Auch in fein polierten Oberflächen zeigen sich feine Risse und keineswegs glatte Strukturen. Auch wenn ein Signal Transport hier keineswegs gestört wird, so erkennt man die Güte der Oberfläche an dessen Übergangswiderstand. Selbstverständlich gilt dies auch für die Lautsprecheranschlüsse an jeglicher Position, sei es am Lautsprecher selbst, oder auf der Verstärkerrückseite, oder eben an den verbauten Steckern am Kabel. Ein Ausweg aus dieser Thematik ist das vollständige Verlöten aller Anschlüsse die in einem Anlagenaufbau so anfallen. OK – es ist schlicht sinnlos derart radikal vor zu gehen, auch wenn als Nebennutzen ein sehr wirksamer Diebstahlschutz-Effekt zu vermerken sei.

Ohne brutales Zusammenlöten aller Komponenten verbleibt dem Analgenbetreiber nur Pflege und der Einsatz sinnvoller Bauteile um möglichst hochwertige Verbindungen herstellen zu können. No-Name Produkte im Stecker-Sektor sind grundsätzlich nicht anzuraten. Sie wissen einfach nicht wie hochwertig die Herstellungsverfahren sind, und wie eng die Fertigungstoleranzen eingehalten werden. Im schlimmsten Falle besitzen Sie Gabelschuhe welche aus dünnem weichen Blech gestanzt wurden, und ritzen sich jedes Mal die Kontaktflächen mit diesen nicht entgrateten Billigstverbindern an. Die Betrachtung einer Mikroskop Aufnahme einer Stecker Oberfläche zeigt wie wichtig die Toleranzen tatsächlich sind, und wie Aufwändig die Einhaltung einer hohen Produktionsgüte im Mikrobereich ist.

 

Als Beispiel habe ich mir drei namhafte Hersteller aus dem Zubehörsektor ausgesucht. Auf der einen Seite der günstigere deutsche Hersteller VIABLUE, wohingegen sich WBT, ebenfalls aus Deutschland, zur Premiumklasse zählen darf. Furutech gilt als fernost Alternative zu den beiden deutschen Herstellern. Alle Hersteller bieten ein reiches Sortiment und unterschiedliche Stecker Typen für jeden Einsatzzweck und Buchsengröße.

 

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Viablue zeichnet sich für moderate Preise bei ausgezeichneter Verarbeitungsqualität verantwortlich

Bild 1: Gabelschuh

Bild 2: kleine Kabelpins flexibel (lötbar)

Bild 3: Bananenstecker (Hohlprofil für hohen Anpressdruck)

 

 

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WBT in seiner Funktion als Premiumhersteller

Bild 1: Bananenstecker spreizbar

Bild 2: Bananenstecker schräg in der Ausführung Silber (nextGen)

 

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Furutech – eine hochpreisige Alternative zu WBT

Bild 1: Gabelschuh massiv schraubbar

 

Mein Marantz PM 15 weist optisch sehr imposante Lautsprecher-Klemmen auf. Wichtig dabei ist in jedem Fall dass man sie ordentlich angreifen und fest drehen kann. Griffige Oberflächen sind hier essentiell, speziell wenn man die Geräte im Rack stehend verkabelt. Meist werden die Anschlussarbeiten in ungünstiger Körperhaltung durchgeführt. Ja, Sie schmunzeln vermutlich etwas. Aber das ist in der Tat ein nicht zu vernachlässigender Umstand, auch wenn man sich den Verstärker nicht nach der Griffigkeit und Größe der Klemmen aussucht.

In der Regel klemmt ein verstärkerseitiger Anschluss das Kabelende zwischen metallenen Kontaktflächen ein. Der Drehverschluss hat hier die Aufgabe eine Drehung in einen Pressdruck zu verwandeln. Derartige Verbindungen bauen relativ starke Presskräfte auf. Der Anschluss-Drehknopf und die Verbindung zum restlichen Buchsenaufbau sollte also entsprechend stabil ausfallen. Die Problemzone ist hierbei aber die Konstruktion selbst. Der Drehknopf ist oftmals bei Vintage-Geräten aus Kunststoff welcher auf die Metallbestandteile der Buchse aufgegossen/aufgepresst wurde. Bei einem gut 20 Jahre alten Gerät (oder auch älter) tritt auch Materialermüdung ein. Während ein neues Bauteil die Kräfte sicher aufnimmt, kann ein altes Bauteil bei geringerer Belastung abbrechen, oder durchdrehen.

 

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Massive Klemmen eines Marantz PM 15 aus dem Jahr 1994 – damals die ultimativen Klemmen. Trotz der massiven Bauweise kein ausreichender Platz für Gabelschuhe

 

Genau so erging es mir bei einem Lautsprecher-Anschluss. Die massiven Klemmen des PM 15 sind optisch massiv, aber doch relativ sensibel auf asymmetrische Druckkräfte wenn die Anschlussplatten zusammen gedreht werden. Offenbar wurde diese Beeinträchtigung als ich einzelne Solid-Core Stränge zusammen lötete, und diese mit etwas Mühe in zwischen die Klemmplatten im Anschluss steckte, und festzurrte. Ein Vergleich mit einem nicht verlöteten Kabelende eines Litzenkabels zeigte dieses mechanische Unterscheidungsmerkmal. Zu berücksichtigen gilt auch der Umstand dass heutige Zubehörartikel manchmal nicht in die Aussparungen und Öffnungen der Anschlussklemmen eines Vintage-Gerätes passen. Leider musste ich auch diese Erfahrung machen. Auch wenn ich kein großer Anhänger sehr teurer Kabel bin, so schätze ich doch sehr eine saubere und feine Installation. Sprich – solide wertige Stecker und elektrotechnisch sinnvolle Kabel. Meine Wahl fiel auf (noch) vergleichsweise günstige Kabelschuhe von Furutech für die Verstärker-Seite. Leider passten diese nicht in die Öffnung. Somit endete ein ehrgeiziges Vorhaben in Reich der Sinnlosigkeit. Die Lautsprecherklemmen stammen aus einer Zeit als die Zubehörindustrie noch längst nicht so umfangreich und vielfältig auftrat.

Auch ein Luxman L 410 Vollverstärker aus der Mitte der 80er Jahre kämpft mit heutigen Steckern. Luxman verbaute ebenfalls hochwertige drehbare Klemmen, auch wenn sie weniger massiv als beim Marantz Tor und Tür für Lautsprecherkabel öffnen.

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 Luxman L 410 –  das Anschlussfeld

Limitierend wirkt hierbei die Fassung am Grund der Buchse. Mit einer Breite von drei bis vier Millimetern verbleibt ein meist zu geringer Platz um einen Gabelstecker einzuschieben. Die Lösung bietet sich mit der Verwendung sogenannter flexibler Kabelpins an. Diese sind flexibel genug um auch in den engsten Zuführungen und Öffnungen Platz zu finden. Möglicherweise verweisen Sie auf den Umstand dass man als Kabel ein sehr dickes Modell verwendet um es anschließend auf einen dünnen Pin zu verengen, und so Leiterpotential zu verschenken. Nun, das ist natürlich korrekt beobachtet, allerdings auch in gewissen Maßen vernachlässigbar. Überlegen Sie hier als Gegenbeispiel einen massiven Draht mit ca. 2,5 mm2. Da dieser Draht zwar den entsprechenden Durchmesser aufweist um als „amtliches“ Lautsprecherkabel durchzugehen, hat er das Problem dass ein derart massiver Draht nicht von einer Lautsprecherklemme gequetscht werden kann, um eine möglichst große Kontaktfläche herzustellen. Das Ergebis ist ein lediglich minimaler physischer Kontakt, im schlimmsten Fall nur ein punktförmiger Kontakt, der natürlich trotz seines massiven Leiters, einen höheren Übergangswiederstand aufweist. Der dünne Kabelpin weist hier mit großer Wahrscheinlichkeit einen besseren Übergangswiderstand auf, und hat eine größere Kontaktfläche zur Buchse hergestellt. Natürlich sind diese Kabelpins, egal ob flexibel oder in einer steifen Ausführung, ein probates Mittel um mit einem korrekt hergestellten Anschluss auch die kleinen und in damaligen Zeiten am Verstärker sehr oft verbauten Snap-In Kabelklemmen weiter verwenden zu können.

 

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Hochwertige flexible Kabelpin zum Verschrauben von Viablue

 

Die Konfektionierung ist bei weitem  nicht so schwierig wie man meinen möchte. OK, etwas Geschick sollte vorhanden sein. Das Verlöten neuer Stecker am Kabel ist in erster Linie von Sauberkeit beeinflusst. Während man die Kabelenden abisoliert und die Lizen „glättet“ und verzwirbelt, sollten die Finger sauber sein. So banal es sich anhört, aber Fett und Schmutz haben während des Lötens nichts auf den zu lötenden Materialien zu tun. Im ersten Schritt müssen die Kabelenden entmantelt werden, sodass die blanken Litzen, oder die Drahtleiter ca. einen Zentimeter frei zugängig sind. Litzenkabel sollten zudem noch vorab mit einem kleinen Lötvorgang „verschlossen“ werden. Die nun sauberen Kabelenden führt man im nächsten Arbeitsgang in die Steckeröffnung ein, und fixiert diese mittels der Madenschraube, oder verlötet diese, wenn es sich um einen Löt-Stecker handelt. Selbstverständlich kann man auch einen schraubbaren Stecker verlöten. Allerdings ist die Schraub-Fixierung mit allen denkbaren Folgen mitgelötet.

Die funktionelle Seite aus elektrotechnischer Sicht wäre damit eigentlich weitgehendst erschöpft. Natürlich stellt sich dem passionierten Kabelkonstrukteur die Frage nach einer ansprechenden Optik. Das verwendete Kabel kann man natürlich ummanteln. Hierzu bietet sich ein umfangreiches Sortiment an Gewebeschläuchen, aller möglichen Durchmesser und Farben an. Preislich bewegt man sich bei ein paar Euro pro Meter. Etwas Achtsamkeit muss man bei den Übergängen zu den Kabelenden, und bei der Gestaltung derselbigen, walten lassen. Auch hier bieten Zubehörhersteller entsprechende Bauteile an. Wie etwa die sogenannten Kabelsplitter. Hierbei handelt es sich um Hülsen, welche ein „Eingangsloch“ aufweisen, und am anderen Ende der Hülse die entsprechende Anzahl an individuellen Öffnungen für die Kabelenden bereit halten. Diese Bauteile sind ebenfalls nicht sonderlich teuer. Hier geht es bei ca. 5 bis 10 Euro je Stück los, und kann natürlich je Material auch recht kostspielig weiter führen. Abschließend bietet sich noch die Verwendung von Schrumpfschläuchen an, welche vor der Verlötung der Stecker über die einzelnen Kabelenden (Pulspol und Negativpol) gesteckt werden, um sie anschließen mit einer Heißluftpistole zu schrumpfen. Üblich ist hier die farbliche Kennung der jeweiligen Pole. Schwarz für Negativ, und Rot für den Pluspol.

Wie ein eigenes Lautsprecherkabel aufgebaut wird, wo die Tücken liegen, und wieviel man für ein eigenes Kabel veranschlagen muss, bereiten wir in einem eigenen Bericht mit vielen Bildern auf.

stay tuned ..

 

Links zu den Herstellern und Rechte-Inhabern der Bilder

  1. Viablue besuchen Sie unter www.viablue.de
  2. WBT besuchen Sie unter www.wbt.de
  3. Furutech besuchen Sie unter www.furutech.com

 

 

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