Pioneer C-21 Vorverstärker

Gegen Ende der 70er Jahre präsentierte Pioneer die 20er Linie, eine Art interne Konkurrenz zur erfolgreichen SPEC Serie. Optisch nicht ganz so selbstbewusst, richteten sich die Pioneer Mannen an den puristisch veranlagten Musikliebhaber. So entstand eine ganze Produktpalette, von der wir Ihnen heute die Schaltzentrale C-21 vorstellen möchten. Ein Purist und veritabler Kraftmeier, der mehr mit inneren Werten und feinem Klang um die Gunst der 80er Jahre Kundschaft buhlte.

 

Pioneer C21 Vorverstärker

 

Es gibt nicht wenige Vintage-HiFi Liebhaber die die feinen Geräte der späten 70er Jahre von Pioneer zu schätzen wissen. Stammleser Heinz H. gelang es eine Pioneer Vorstufe, welche auf die Bezeichnung C-21 hört, in einem ausgezeichneten technischen Zustand zu erwerben. Als Mitglied der sogenannten 20er Serie von Pioneer, positionierte sich der japanische Hersteller zu jener Zeit auch als Lieferant für manufakturnahe puristisch gehaltene Produktionen seiner Hi-Fi Komponenten. Die gesamte Serie ist dabei optisch dezent gestaltet, aber auch ausgefeilt und extrem hochwertig aufgebaut. Rundum solide Metall-Gehäuseteile und stabilste Verschraubungen. So greift das rückwärtige gehäuseblech vollständig um das Gerät und wird von vier Schrauben unsichtbar am Geräteboden fixiert. Die Frontplatte der jeweiligen Geräte präsentiert sich dabei auch tatsächlich als „Platte“, und nicht als ein hohlgefrästes, oder formgebogenes Dünnblech.

IMG_1049 IMG_1053

eine übersichtlich gestaltete Frontplatte unterstreicht den puristischen und edlen Anspruch der Komponente
Die C-21 Vorstufe weist aber auch ein untypisches Merkmal für die damalige Zeit auf, nämlich den erstaunlich geringen Umfang der Einstellmöglichkeiten. Die beliebte Klangregelung für Höhen und Tiefen fehlen. Allerdings bot Pioneer hierzu den Systembaustein, die aktive Frequenzweiche D-23 an, über welche die Klangregelung „maßgeschneidert“ eingestellt werden konnte. Aus technischer Sicht stelle diese Vorgehensweise einen doch konsequenteren Weg dar, da die entsprechend benötigten Baugruppen für eine Klangregelung auch klangliche Nachteile aufweisen. Gerade diese Nachteile sorgten dafür dass die Klangregelung persè über sehr viele Jahre hinweg geliebt und gehasst wurde. Sie verlängerten den Signalweg, machten die Schaltung anfällig für Einstreuungen, und verursachten Phasendrehungen, sowie auch teilweise hörbares minimales Rauschen. Eine Aufteilung der Musikhörerschaft in Puristen und Komfortliebhaber stellte sich ein.

Ohne Verwendung des externen Quellenselektor, eine zusätzliche Umschalteinheit zur Erweiterung der Anschlussmöglichkeiten, welche auf die Bezeichnung U-24 hörte, kann man einen Plattenspieler und neben einer Tape-Schleife, zwei weitere Hochpegel Quellen anschließen. Die Einstellmöglichkeit der Phonostufe entsprach gültigen Vorgaben und damaligen Gepflogenheiten. Aber auch heute dient die eingebaute RIAA Entzerrung der elektrischen Wandlung der feinen und leisen Signale eines Tonabnehmers feine konkurrenzfähige Klänge an. Der Aufbau der Vorstufe, sowie deren technischen Daten können heute noch mit feinen Komponenten aus aktueller Produktion mithalten. Schon damals wurden hochwertige Lautstärke-Potentiometer eingesetzt, so kam bei der C-21 ein erstklassiges 32-stufiges Rasterpoti zur Anwendung. Interessanterweise wurden die Leiterbahnen auf den Platinen nicht scharfkantig Rechtwinkelig ausgeführt, sondern organisch anmutende runde Formen nachgebildet. Möglicherweise wollte man hier eine sogenannte Antennenwirkung vermeiden. Weiters findet der aufmerksame Beobachter eine Art filigranen Überzug an den Beinchen mancher Bauteile. Das Schaltungslayout folgt einer sogenannten „SEPP“ Bauweise. Vervollständigt bedeutet das „Single Ended Push Pull“ und lässt sich am besten mit „Gegentaktflusswandler mit Halbbrückenansteuerung“ beschreiben. Der ausreichend dimensionierte Netztransformator weist kanalgetrennte Sekundärwicklungen auf. Eine konsequente Kanaltrennung wurde auch bei einem Vorpegelregler realisiert, so konnte man mittels getrennter Regler den Pegel unabhängig von einander und unabhängig vom Haupt-Lautstärker-Regler einstellen. Maschinell lässt sich so ein aufwändiger Aufbau nicht so ohne weiters umsetzten. Das lässt den Schluss zu dass Pioneer hier stark auf manuelle handwerkliche Produktionsschritte gesetzt hat, um hier eine Produktlinie zu schaffen, die sich stark von deren damaligen Mitbewerbern abgrenzen sollte. Eine Qualität die die Messwerte für Kanalgleichheit, Linearität des Frequenzganges und einige andere auch heute noch konkurrenzfähig erscheinen lassen.

 

IMG_1056 IMG_1059

IMG_1057 IMG_1058

Der Innenaufbau zeigt die klare und geordnete Struktur der Bauweise. Im Gegensatz zu dem damals üblichen Drahtverhau wussten die Pioneer Mannen bereits um die Bedeutung der kurzen Signalwege.

IMG_1055 IMG_1045

Natürlich präsentiert sich auch das solide und langzeit-stabile Anschlussfeld angemessen. Selbst nach gut 30 Jahren lassen sich die RCA (Cinch) Anschlusse ausgezeichnet reinigen und weisen weitgehendst keine Oberflächenbeschädigungen auf

 

Natürlich wollen wir auch wissen wie eine alte Legende vom Schlage einer C-21 Vorstufe klingt. Älteren Geräte Generationen sagt man ja gerne einen gewissen 80er Jahre Sound , oder gar einen angestaubten Klang, nach. Nun ja, aus elektrotechnischer Sicht muss man derartige Beschreibungen dann doch etwas relativieren. Ein Frequenzgang der damals mit +- 0,2 dB von 20 Hz bis 20 kHz für diese Vorstufe spezifiziert wurde, klingt auch heute noch genau so wie ein linealglatter Frequenzgang eben klingen muss.

Eine klangliche Abstimmung wurde durchaus bisweilen in die eine oder andere Richtung getroffen, trifft aber nicht symptomatisch für eine Epoche zu. Ein Sounding ist auch heute in einzelnen Fällen durchaus gebräuchlich, sofern es der Entwickler so umsetzen möchte. Die Pioneer C-21 Vorstufe ist eine neutral aufspielende Vorstufe die eigentlich kein Sounding erfahren hatte.

Allerdings stellt sich bei einem etwa 30 Jahre alten Gerät die Frage nach der Alterung und Sicherheit der Bauteile. Auch ein Rasterpoti kann verschleißen, sodass der Regelbereich ungenau arbeitet, und ein vernehmliches Kratzen zu hören ist. Elkos trocknen aus, und verlieren die Leistung. Sie laden nicht mehr im vollen Umfange und ausreichend schnell nach, und sind auch möglicherweise nicht mehr so Temperaturfest wie es die Spezifikation vorsieht. Eine derart erhaltenswürdige Vorstufe aus renommiertem Hause sollte von Grund auf durchgemessen und kontrolliert werden. Durchaus kann man sich mit einem dezenten Bauteiletuning beschäftigen. Möglicherweise sind etliche Bestandteile nicht mehr original verfügbar, und somit muss man sich zwangsläufig mit einem passenden Ersatz beschäftigen. Ein generelles „Upgraden“ was ja durchaus als Totalumbau angesehen werden muss, ist aber nicht angeraten. Eine Komponente wurde, und wird auch heute in sich geschlossen entwickelt. Ein derartiges Vorhaben, ist schwierig umzusetzen, und verändert auch den Charakter der Komponente. Einen Sammler und Liebhaber, der hier natürlich auf Originalität setzt, würde sehr wahrscheinlich nicht mehr begeistert ein eventuelles Verkaufsangebot betrachten. Das will bei einer werterhaltenden Restauration berücksichtigt werden.

Viele Musikliebhaber und enthusiastische Anlagenbetreiber sehen zu Recht in der Vorstufe den klangrelevanten Baustein einer Hi-Fi Anlage. Die Pioneer C-21 ist ein neutraler, aber sehr selbstbewusst und kräftig aufspielender Vertreter seiner Gattung. Eine Paarung mit wahllos ausgesuchten Verstärkermodellen, kann durchaus auch Gemüter erhitzen und gehörig polarisieren. Die C-21 weist eine phantastische Schubkraft in den Kellerlagen des Klangspektrums auf, will heißen – ein felsenfester und manchmal auch brutaler Tiefbass sowie ein Respekt einflößender Grundton. Im Stimmbereich eröffnet sich eine tolle Spielwiese. Hier punktet die C-21 durch höfliche Zurückhaltung wenn die angenabelte Endstufe sich kooperativ zeigt. Die Stärken sehen wir eindeutig im Rock- und Popmusik-Lager. Mit der passenden sanftmütigen und fein differenzierenden Endstufe lassen sich gerne auch minimalistische Jazz-Einspielungen, sowie Kammermusikalisches genießen. Hier sollte sich der Musikliebhaber aber tendenziell eher im analytischen Gemüt wohl fühlen. Gebaut wurde die C-21 natürlich als Referenz-Zuspieler/Controller für die Hauseigene Endstufe M-22. Optisch wie auch klanglich ein Genuss, welcher bei optimalen Restaurationszustand, ausgesprochen kraftvoll und neutral aufspielt, und natürlich so mancher aktueller Verstärker-Kombo frech das Wasser abgräbt. Trotz alledem kein idealer Spielpartner für überanalytische Lautsprecher, und Grundtonschwache Räume. Ein etwas aus dem preislichen Verhältnis genommener Vergleich mit einer Accustic Arts Endstufe AMP 1 MK II zeigte Stärken wie auch kleine Schwächen auf. Ein derart moderner Vertreter seiner Art, der im neutralen und enorm hochauflösenden Lager zu finden ist, ist nicht zwangsläufig der ideale Spielpartner. Aber das möchte ein knapp 5.000.- Euro teurer Endverstärker aus dem Jahr 2014 auch gar nicht sein, stellt aber einen leistungsstarken Detektor für tonale Angelegenheiten dar. Die Stärken der C-21 werden gerade, wie weiter oben schon beschrieben, im Bass und im Grundton gewahr. Stimmlich sortiert sich die C-21 eher zurückhaltend ein. Bei manchen überproduzierten Produktionen ein probates Hilfsmittel für die musikalischen Empfindungen. Also auch hier kein Nachteil ohne einen Vorteil zu erhalten.

 

Auf dem Gebrauchtmarkt begegnet man dieser erhaltungswürdigen Vorstufe aus dem Hause Pioneer relativ oft. Allerdings sollte man hier näher nachfragen, welche Arbeiten bereits durchgeführt wurden. Aus Sammler Perspektive sollte das Gerät unverbastelt sein, denn weiterführende Tuning-Maßnahmen sind meist nur wertmindernd. Das Gehäuse ist grundsätzlich sehr robust, und steckt so manchen Umzug und Umbau lässig weg. Das rückwertige Gehäuseblech, es ist schwarz lackiert, lässt sich bei Bedarf kostengünstig sandstrahlen und neu lackieren. Die Frontplatte ist aus einer mittel harten Alu-Legierung hergestellt, was sie etwas anfällig  gegen Kratzer und kleinen Kantendellen macht. Hier die Oberfläche aufarbeiten lassen, gelingt nur mit professionellem Materialabtrag und einem vollständigen Rundum-Schliff, sowie einer Neubeschichtung mit Eloxalfarbe. Ein Aufwand, den man so schnell nicht realisieren möchte, zudem die Komponente grundsätzlich nicht in höchsten Preislagen mitspielt.

Gebaut und verkauft wurde die Pioneer C-21 Vorstufe von 1978 bis 1981 zu einem Preis von etwa 1.000.- deutsche Mark. Gebraucht wird eine top erhaltene Vorstufe mit Schwankungen zu etwa dem damaligen Neupreis angeboten, geringwertigere Zustände sollten für ca. 150.- bis 200.- Euro über die Theke gereicht werden. Anders sieht die Preislage aus, wenn man den seltenen Angeboten zu einem perfekt erhaltenen Gesamtpaket aller 20er Komponenten begegnet. Im Idealzustand darf man Überlegungen anstellen, ob man mehrere 1.000.- Euro in seine Sammlung investieren möchte. Wert ist sie es auf jeden Fall.


 

Databox der top gepflegten Vorstufe Pioneer C-21

Maße:                                                 420 × 81 × 357 mm

Leistungsaufnahme:                       ca. 10 Watt

Gewicht:                                            6,3 Kilogramm

Klirrfaktor:                                        Phono: 0,006 %, AUX: 0,005%

Rauschabstand IHF:                       Phono: 80 dB, AUX: 100 dB

Frequenzgang:                                 Phono: 20 Hz – 20.000 Hz ± 0,2 dB
AUX 1: 10 Hz – 100.000 Hz + 0 -0,2 dB
AUX 2: 03 Hz – 300.000 Hz + 0 -1,0 dB

Subsonic-Filter:                              15 Hz ( 6 dB oct )

Empfindlichkeit Phono:                bei 2,5 mV – 100 Ω, 10 kΩ, 25 kΩ, 50 kΩ, 75 kΩ, und 100 kΩ

Kapazität Phono:                            100 pf, 150 pf, 200 pf, 300 pf, 400 pf, und 500 pf

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar