Pflege Holzoberfläche

Wer kennt nicht die Problematik mit einem geblichenen und unansehnlichen Holzfurnier auf der Vintage Komponente oder den liebgewonnenen alten Lautsprechern. Auch wenn man während dem Besitzzeitraum besonders Acht gibt, und sogar das edle Stück mit einer Staubschutzdecke abdeckt, so kann in der langen Zeit doch vieles passieren. Farbveränderungen im Furnier, angegriffener Schutzlack, und natürlich Kratzer sind an dieser Stelle wohl die meisten Schadensbilder. Was aber tun wenn man sich seinen Kindheitstraum erfüllen möchte und einen gebrauchten Klassiker erstehen möchte.

Die älteren Generationen der Hi-Fi Legenden zeichnen sich meist durch eine wertvolle und gut verarbeitete Holzoberfläche aus. Speziell hochwertige Marken wie Marantz und Sansui, um nur zwei zu nennen, verpackten die gewaltigen Receiver und Tuner ihrer Tage in hübsche dekorative Holzgehäuse. Die Komponente selbst wurde in einer Art Schlitten in das Gehäuse eingeschoben und mittels Schrauben fixiert. Nicht vergleichbar mit Holz-Applikationen und Seitenwangen wie sie heute noch zeitweise die Geräte verschönern.

Der vor einiger Zeit von unserem Stammleser Heinz Huber bereitgestellte Sansui Quadro Receiver QR-4500  wurde mit einem solchen schicken und wertigen Holzgehäuse ausgestattet. Der Aufbau gestaltet sich in einem beinahe 1,5 Zentimeter dicken Faserholz-Gehäuse welches mit einem, für heutige Verhältnisse, dicken Furnier belegt wurde.  Eine gesunde Basis um auch ein leicht beschädigtes Furnierbild mit handelsüblichen Mitteln auf zu arbeiten.

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Der erste Schritt der Aufarbeitung ist die gründliche Reinigung. Hier kann man in Härtefällen und bei geschlossen porigen Hölzern, wie Ahorn oder Buche, gerne auch eine Neutralseife mit handwarmen Wasser verwenden. Leichte bis mittlere Verschmutzungen und Fettflecken sollten sich auf diese Weise entfernen lassen. Etwas mehr Vorsicht muss man bei offen porigen Hölzern wie Eiche und Nussbaum walten lassen. Hier ist die Verwendung eines nebelfeuchten Tuches zulässig. In beiden Fällen darf die Feuchtigkeit nicht zu lange auf dem Holz verweilen, deshalb sollte umgehend die Oberfläche mit einem weichen flusenfreien Tuch abgetrocknet werden. Bitte bedenken Sie dass massive Verschmutzungen, wie eingedrungene Tinte oder Obstflecken, mit einer einfachen Reinigung nicht mehr zu entfernen sind. Sollte sich die Holzart nicht bestimmen lassen, kann es ratsam sein, behutsam an verborgener Stelle des Objektes einen Versuch zu starten. Verträgt das Holz die Reinigungslösung? Verändert sich das Oberflächenbild? Je nach Kenntnisstand ist eine behutsame Vorgehensweise angeraten. Denn ein Schaden ist meist nur mehr sehr aufwändig zu reparieren, wenn überhaupt.

Nach der Grundreinigung, welche auch in mehreren Schritten erfolgt ist, muss man dem Holzfurnier, aber auch dem Massivholz wieder eine Versiegelung der Oberflächenstruktur angedeihen lassen. Die Versiegelung mittels Lack oder Wachs schützt das Holz vor hoher Luftfeuchte, weiterer Verschmutzung bis in die Poren hinein und natürlich auch etwas gegen die UV-Licht Belastung. Die Oberflächenversiegelung bewerkstelligt man am Besten mit einer hochwertigen Möbelpolitur, aber auch eine Bienenwachspolitur kann hier gerne verwendet werden. Diese ist meist Lösungsmittelfrei und Biozertifiziert hergestellt und käme dem ökologischen Bewusstsein gelegen. Die Oberfläche raut sich nach einer Feucht-, aber auch nach einer Nebelfeucht-Reinigung etwas auf. Das ist auf den Umstand zurück zu führen dass Naturholz bei Feuchtigkeit die Fasern aufstellt. Ein natürliches Verhalten. Auch wenn sich die Fasern nach der Trocknung etwas legen, so wirkt die Oberfläche dennoch etwas aufgerauter und bedarf nicht nur bei einem feinen Siegellack einer glättenden Nachbearbeitung. In diesem Falle reibt man die Oberfläche mit einer Stahlwolle der Sorte „000“ ab. Wenn Sie Schleifpapier verwenden möchten, so achten Sie auf eine möglichst hohe Körnung. Unter den begriff Körung versteht man die Feinheit der auf das Papier aufgebrachten Schleifkörner. Üblich ist für eine mittlere Materialabtragung bei einem Schleifvorgang die Körnung 120. Die gröberen Papiere „40“, „60“ und „80“ hinterlassen sehr kräftige Schleifriefen und sind gänzlich ungeeignet. Für sehr feine Schleifarbeiten die auch noch etwas Material abtragen sollen, um etwa feine Kratzer zu beseitigen, wäre hier ein 180er Papier angebracht. Auch wenn es mit viel feinfühliger Arbeit verbunden ist, so sollte man bei einem feinen Furnierbild keinesfalls ein gröberes Schleifpapier als ein 180er verwenden. Für Lackpolituren oder feinsten Faserabtrag raten wir zu einem 240er oder gar zu einem 300er Schleifpapier.

Nachdem der Schleifvorgang abgeschlossen wurde muss man natürlich die neu entstandene feine Oberfläche vom Staub befreien. Bitte nehmen sie hierzu keines falls einen angefeuchteten Lappen, denn die Fasern würden sich erneut beginnen auf zu stellen, und das gesamte Procedere wäre von neuem fällig. Ideal ist hier Terpentin zur Reinigung, da es schnell verdunstet. Unter Wahrung der Sicherheitsbestimmungen und unter Verwendung im Freien, kann auch eine Nitroverdünnung verwendet werden. Hierzu benetzen Sie einen flusenfreien Lappen und reiben die Holzfläche mit der Faserrichung leicht ab. Fertig ist die Oberfläche für die Lack-Versiegelung oder den Wachsvorgang.

Bienenwachs

Die gleichen Vorgänge bieten sich an wenn Sie leichte Kratzer ( welche die nicht durch das Furnier drangen ) bearbeiten möchten. Der Fachhandel bietet hierzu Farbwachsstifte in den verschiedensten Farbvarianten an, welche sich an die gängigen Holzfarben anlehnen. Allerdings ist hier Vorsicht angeraten, da nicht immer der richtige Farbton verfügbar ist. Eine gealterte Holzoberfläche ist einer UV-Licht bedingten Nachdunkelung ausgesetzt. Ein natürlicher Vorgang der jedes Möbelstück aus Holz betrifft, selbstverständlich auch das Holzgehäuse einer schönen Hi-Fi Legende.

Aus eigenen Versuchen heraus hat sich die Behandlung mit einem chemisch neutralen Wachspoliturmittel als die beste Variante erwiesen. Lackoberflächen sind mitunter auch mit petrochemischen Lösungsmitteln hergestellt. Im Falle eines Lacks auf Basis einer Nitroverdünnung, darf man keinesfalls einen Kunstharzlack aufbringen, da sich die Lösungsmittel nicht vertragen und so zu hässlichen Blasenbildungen weiterentwickeln. Das Gehäuse verkommt zu einem Totalausfall oder macht eine Totalrestaurierung notwendig, welche sogar ein neues Furnier benötigen kann.

Nitroverduennung Terpentinersatz

Sofern man keine Informationen beschaffen kann,  mit welchen Materialien der Hersteller gearbeitet hat, ist ein natürliches Bienenwachs, oder ein Acryllack auf Wasserbasis die erste Wahl. Bienenwachs, ich verwende ein hartwachs für den Auftrag mittels Lappen, hat die angenehme Eigenschaft immer wieder reparabel zu sein. Die Arbeitsschritte sind einfach und jederzeit reproduzierbar. Das Wachs wird mit einem festen Lappen auf der Holzoberfläche aufgerieben und gleichmäßig verteilt. Die Sättigung der Holzoberfläche stellt man fest, in dem das Holz kein Wachs mehr aufnimmt, und der Lappen im Wachsauftrag auf der Holzoberfläche „ausrutscht“. Das Wachs muss nach dem Auftrag vollständig durch trocken, und im Anschluss mit einer „000“ Stahlwolle abgerieben werden. Hierbei nimmt man die abgetrockneten Wachsreste vom Holz ab, welche nicht in die Oberfläche eingedrungen sind. Der letzte Arbeitsschritt geschieht mit dem Aufpolieren mit einem weichen feinen Wolllappen. Die Oberfläche ist nun fertiggestellt und verwöhnt die Hände mit einem unfassbar angenehmen Griffbild. Das Wachs arbeitet zudem optisch das Furnierbild heraus und unterstreicht und frischt die Farbgebung auf.

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