Marantz PM 15 ( Baujahr 1994 )

Seit dem ersten wirklich großen Vollverstärker PM 94 folgten eine Reihe weiterer großer „Klangmaschinen“. Neben dem Marantz PM 95, und dem PM 99, gab es den Marantz PM 15 um den es hier gehen soll. Ein japanischer Vollverstärker der so manchen High End Hersteller auch heute noch etwas in Bedrängnis bringen kann.

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Der PM 15 wurde in den Jahren 1994 und 1995 gebaut. Er kann als Nachfolger des PM 95 und PM 99 angesehen werden, welche davor ihre glorreichen Jahre am Markt absolvierten. Der Hersteller richtet sich Mitte der 90er Jahre an die audiophilen Hörer die neben klassischen Klangtugenden auch eine umfangreich ausgestattete Schaltzentrale mit üppiger Leistung suchen. Bis auf die fehlende Fernbedienung bringt das Kraftpaket alles mit was die Herzen höher schlagen lassen. Äußerlich stellt sich der PM als Trutzburg mit einem Kampfgewicht von 32 Kilogramm dar. Glauben Sie mir das ist viel. Ich durfte den Verstärker vom Paketdienst LKW zum Auto, und von meinem Auto ins Haus tragen. Das sind Momente wo sie beginnen Ihr Hobby und Ihre Leidenschaft etwas zu verfluchen. Die Arme werden immer länger und die Finger, die verzweifelt am Karton versuchen Halt zu finden, immer tauber. Nachdem ich meine Neuerwerbung sicher ins Wohnzimmer wuchten konnte, und sich mein Kreislauf wieder etwas beruhigt hat, schälte ich diesen riesen Verstärker aus dem Karton. Vor mir steht nun ein champagner farbener Verstärker aus dem Hause Marantz, welcher mir seit dem Erscheinen nicht mehr aus dem Kopf ging. Das Gehäuse könnte man durchaus als veritablen Panzerschrank verkaufen. Die Seitenelemente sind schlicht einen Zentimeter dick! Die geschwungenen Frontplattenenden sind genau so massiv wie sie äußerlich erkennbar sind, und zu guter Letzt der 4mm starke Gehäusedeckel mit seinem perfekt eigepassten Lüftungsgitter.

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Auf der Rückseite findet man insgesamt 6 analoge Line Eingänge über welche entsprechende Quellen an RCA, oder auch Cinch Buchsen, Anschluss ans musikalische Leben finden. Weiters besitzt der PM 15 einen umschaltbaren Phonoeingang für MM und MC Tonabnehmer, sowie zwei Monitorschleifen für Aufnahmegeräte.  Ein Line Eingang ist sogar als symmetrischen XLR Variante vorhanden. Vorbildlich, selbst wenn nach den Buchsen umgehend desymmetriert wird.

Die Lautsprecherklemmen sind eine eigene Klasse. Sie sind zwar nur einfach vorhanden und erlauben kein Bi-Wiring, oder den Anschluss eines zweiten Lautsprecher Paares, dafür aber umso massiver ausgeführt. Es ist einfach nur herrlich wenn man die Anschlussverschraubung sicher mit mehreren Fingern angreifen kann um sie entsprechend fest zudrehen, ohne sich die Haut von den Fingerkuppen ab zu raspeln. Ja das sollte auch mal erwähnt werden. Spätestens wenn man nach geraumer Zeit die Anschlüsse wieder öffnen möchte bekommt man eine elementare Abneigung auf alle Hersteller die die Schraubklemmen nah zueinander stehend verbauen. Leider sind keine Öffnungen für Bananenstecker vorhanden, was aber der Anschluss-Sicherheit keinen Abbruch tut. Es ist rund um die Stecker Positionen ausreichend Platz um auch die dicksten Kabelschuhe unter zu bringen. Besser macht man das auch heute nicht. Die Buchsen-Phalanx, und das ist mein einziger Kritikpunkt, ist so stabil sie aussieht doch recht fragil. Es sind von innen nach außen gesteckte Typen welche mit Schrauben in ihrer Position fixiert sind. Leider fand ich eine Buchse nach dem Auspacken lose im Karton liegend. Dabei stellte sich heraus dass die Wandung der Buchsen an der Stelle die innerhalb der Isolierung durch das Gehäuse führt, extrem dünn ist. Ich schätze gerademal 0,8 mm.  Im Lauf der vielen Jahre und vielmaligen an- und abstecken von Komponenten dürfte hier eine gewisse Materialermüdung eingesetzt haben. Sie ist feinsäuberlich abgerissen.

Nachdem der riesen Verstärker ausgepackt und ordentlich gereinigt wurde, steht er nun provisorisch auf meinem Rack. Der erste Funktionstest ist ebenfalls bestanden und bescheinigt einwandfreie Funktionalität. Man sollte grundsätzlich einen fast 20 Jahre alten gebrauchten Verstärker durchmessen und überprüfen lassen, was ich auch nachholen werde. Die Schalter, oder sollte ich hier Schaltanlage sagen, klacken sich zart aber vernehmlich durch das Anschlusssortiment. Unter dem linken Quellenwahlschalter befindet sich mein so geliebter Aufnahmewahlschalter. Mittig der Ein/Aus Schalter und links davon die Mute Taste. Der Lautstärkeregler, ebenso opulent wie die Quellenwahl, läuft wie der sprichwörtliche Löffel im Honigglas. Ich bat meine Frau den Schalter ohne Signal ganz durch zu drehen. Es ist im Hochtöner kein Sirren oder Knacksen zu hören. Hier verbaut Marantz ein wirklich audiophiles vollgekapseltes Modul.

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Jetzt wird es aber Zeit um auch mal ein bisschen Musik zu hören.  Der Spieltrieb ist erfüllt und es soll sich zeigen was ein japanischer Vollverstärker mit 2 x 150 Watt an 8 Ohm, bei gleichzeitiger Stabilität bis an 2 Ohm Lasten so zu leisten vermag. Selbstverständlich werden die ersten 20 Watt in bester Class A Manier wiedergegeben.

Die erste CD war meine beliebte Amanda McBroom mit dem Titel „Chanson“. Sempre Audio berichtete bereits über diese außergewöhnliche Jaques Brel Interpretation. Auf dieser Aufnahme ist das Stimmwunder Amanda McBroom wie gewohnt extrem durchhörbar und felsenfest auf der Bühne zu „sehen“. Es scheint gerade die Räumlichkeit und Abbildungspräzision eine besondere Eigenschaft des Marantz PM  zu sein. Er zeichnet die Bühne etwas größer mit mehr Platz zwischen den musikalischen Akteuren nach. Amanda behält ihre Größe, bekommt aber mehr Platz zu gewiesen. Die Musikinstrumente werden etwas besser in der Tiefe gestaffelt und sind selbst noch leichter zu lokalisieren. Der Bassbereich wirkt mehr kontrolliert und etwas straffer organisiert. Der Soundtrack „Fluch der Karibik Teil 1“ zeigt hier schnell die Schwächen in der Wiedergabekette auf. Ist der Lautsprecher nicht ausreichend unter Kontrolle, oder der Verstärker schlicht zu schwach, verkommt das Präzisionswerk schnell zu einem wabernden Basssumpf. Der Marantz behält die Kontrolle bei tiefen Basslagen und entzieht dem Lautsprecher die Möglichkeit das seinige zu den Raummoden übergebührlich bei zu tragen. Wohl ein Ergebnis des exzellenten Dämpfungsfaktors. Immerhin gibt Marantz einen Wert von 300 an.

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